Berater geben Tipps zum Umgang mit den Versicherern
Betrieb kann Versicherungspreise drücken

Während die Versicherer in der Großindustrie eine harte Gangart an den Tag legen, haben mittelständische Firmen durchaus Spielraum in den zum Jahresende anstehenden Preisverhandlungen. Voraussetzung ist, dass sie in Brandschutz und ähnliche Schadenverhütungsmaßnahmen investieren.

DÜSSELDORF. Anhaltende Meldungen über zwei- bis dreistellige Preiserhöhungen für Industriepolicen schaffen ein Gefühl der Machtlosigkeit in den Unternehmen - zumal immer weniger Versicherer zur Auswahl stehen. Die verbleibenden Anbieter diktieren ihre Bedingungen. Es kann aber auch anders gehen: Insbesondere mittelständische Unternehmen haben Chancen, Versicherungsschutz zu bezahlbaren Preisen zu bekommen, sagen gerichtlich zugelassene Versicherungsberater.

Die derzeitige Lage: Ein Industrieversicherer nach dem anderen hat sich aus diesem chronisch defizitären Geschäft verabschiedet. Wenn jetzt noch der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI), wie aktuell spekuliert wird, das Industriegeschäft seines Konkurrenten Gerling übernähme, wäre wieder ein Anbieter weg - und zwar ein großer. Gerling und HDI sind für die industriellen Versicherungseinkäufer das regulierende Gegengewicht zum Marktführer Allianz. Die Kunden empfinden den Verdrängungswettbewerb als bedrohlich. Schon jetzt bekommt die Wirtschaft zu spüren, was es heißt, wenn wenige Anbieter einen Markt beherrschen. Mit den Verteuerungen ist oft noch eine Verschlechterung des Versicherungsschutzes verbunden.

Doch: "Firmen mit guter Schadenvergangenheit können sich gegenüber den zum Teil völlig überzogenen Forderungen der Versicherer erfolgreich zur Wehr setzen", sagt Berater Andreas Kutschera, Partner der Kanzlei Buschen in Wegberg. Er registriert, dass die Versicherer durchaus wieder mit sich reden lassen. Dabei legten sie allerdings großen Wert auf "die Beschaffenheit des Risikos." Sprich: Wer sich Mühe gibt, Schäden im Unternehmen zu vermeiden (Risk Management), hat Chancen auf günstigere Prämien.

Diese Unterscheidung belegt auch die Mitarbeiter-Information der Allianz vom April, die dem Handelsblatt vorliegt. Darin wird klar zwischen guten und belasteten Verträgen und Branchen unterschieden. Bei Risiken über 3 Mill. Euro Versicherungssumme liegt die Preisspanne je nach Schadenträchtigkeit zwischen 75 und 100 % des Bedarfsbeitrags. Das ist der Beitrag mit dem der Versicherer den möglichen Schaden bezahlen kann. Auf der roten Liste (Kündigung) stehen Branchen wie Geflügel- und Recycling- Betriebe.

Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Risk Management sprunghaft anzieht. Das bestätigen darauf spezialisierte Ingenieurbüros. "Policen sind zwar weiterhin wichtig, aber ein hochvolatiles Instrument des betrieblichen Risikomanagements und bei einer Reichweite von einem bis maximal drei Jahren kein Ersatz für andere risikoreduzierende Maßnahmen", sagt Versicherungsberater Oskar Durstin von der Kanzlei Falken, Sammer, Durstin in Kissing.

Durstin hat die Erfahrung gemacht, dass die Versicherer vor allem bei Großkonzernen hart durchgreifen. "Bei größeren Versicherungssummen ist nicht nur ein größerer Hebel, sondern auch ein größerer Bedarf", erklärt er. Die Großkunden hätten in der Vergangenheit auch die höchsten Preisabschläge ausgehandelt. "Wir beobachten, dass vor allem bei der Großindustrie konsequent agiert wird", meint auch Geschäftsführer Günter Schlicht vom DVS, Deutscher Versicherungs-Schutzverband, der Interessenvertretung der gewerblichen Versicherungseinkäufer.

Die Grenze zwischen industriellem und gewerblichem Geschäft verläuft je nach Versicherer etwa bei 25 bis 50 Mill. Euro Umsatz des Betriebs. Das Problem: Unterhalb dieser Schwelle gehen Versicherer oft pauschal vor. Durstin weiß, dass die Versicherer sich die Risiken nicht alle einzeln vornehmen; dies sei ein Mengenproblem. "Dadurch kann es passieren, dass der Kalkulation falsche oder veraltete Risikodaten zugrunde liegen", kritisiert er.

Der Bundesverband der Versicherungsberater hat Tipps zur Minderung von Beitragssteigerungen und zur Optimierung von Versicherungsverträgen zusammengestellt. Die Wichtigsten:

- Selbstbeteiligung hilft Beitrag sparen. Auch große Konzerne trügen im Schadenfall noch zu geringe Eigenanteile. Der Verbandstarif der Feuerversicherer räumt dafür aber Rabatte ein. Der Versicherungsschutz sollte auf die wirklich gefährdenden Risiken beschränkt werden.

- Nicht bloß auf den Preis schauen. Das größere Übel lauert oft im Kleingedruckten (Deckungsumfang).

- Reduzierung der Kündigungsfristen nur unter Vorbehalt akzeptieren.

- Kalkulation des Versicherers und des Beraters offen legen lassen.

- Eigene Schadenstatistik im Betrieb führen.

Quelle: Handelsblatt

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