Berater ist die Schweizer Bank Credit Suisse First Boston
Reuters bringt sein Börsenhandelssystem aufs Parkett

Analysten schätzen den Wert auf zwei bis vier Milliarden Pfund. Das durch den Börsengang geschöpfte Kapital will Reuters für einen geografischen und produktorientierten Ausbau des Börsengeschäfts nutzen.

HB LONDON. Tagelang spekulierte die Londoner City schon über die Pläne des britischen Informationsdienstleisters Reuters Plc. Am Freitag dann lüfteten die Briten das Geheimnis: Das elektronische Börsenhandelssystem Instinet soll selbst an die Börse geführt werden.

Sowohl über die Details als auch den zeitlichen Rahmen für einen Börsengang des weltweit größten Handelssystems schwieg sich Chief Executive Officer Peter Job jedoch aus. Klar ist nur, dass Reuters die Mehrheit am boomenden Börsengeschäft behalten will. Als Berater hat Reuters für dieses Vorhaben die Schweizer Bank Credit Suisse First Boston gewählt.

Über den Wert von Instinet sind sich Analysten allerdings uneinig. Die Schätzungen schwanken zwischen 2 und 4 Mrd. Pfund. Das durch den Börsengang geschöpfte Kapital will Reuters für einen geografischen und produktorientierten Ausbau des Börsengeschäfts nutzen. Zudem verfügt Instinet dann über eine attraktive Akquisitionswährung. Instinet ist nicht nur im Geschäft für elektronische Wertpapier-Handelsplattformen aktiv. An den Alternativbörsen Archipelago und Tradepoint hält man je 17 %.

Instinet wurde vor 31 Jahren gegründet und 1987 von Reuters übernommen. Instinets Aufgabe sei es, so Reuters, seine Kunden mit Dienstleistungen und Werkzeugen zu versorgen, um deren Aktien-Investment zu optimieren. Mehr als 90 % der institutionellen Fondsgesellschaften in den USA würden die elektronischen Maklerdienste von Instinet in Anspruch nehmen.

Einen Privatkundendienst in den USA will Instinet bis Ende des Jahres anbieten, Europa soll im kommenden Jahr folgen. Bislang hat Reuters diese Klientel außer Acht gelassen. Das wurde jedoch als Fehler erkannt. Ein Potenzial von 65 Mill. privaten Investoren zu ignorieren wäre dumm, lautet jetzt die neue Erkenntnis von Reuters-Chef Job. Mitte der vergangenen Woche gab Reuters bekannt, dass der bisherige Europa-Chef von Instinet, Janusch Raft, zum Chairman des europäischen Zweigs ernannt wurde. Seine Rolle als Chief Executive übernimmt Rod Sinclar, bisher verantwortlich für die Entwicklung des weltweiten Geschäfts.

Keine Eile mit dem Börsengang



Keine Eile hat Reuters angesichts der widrigen Marktbedingungen mit dem Börsengang seiner Wagniskapitaltochter Greenhouse Fund (Handelsblatt v. 17.10.2000). Greenhouse hält aktuell Beteiligungen an 79 Firmen. In diesem Jahr wurden bislang 105 Mill. Pfund in neue Beteiligungen investiert. In diesem Quartal werden drei Firmen aus dem Beteiligungs-Portfolio den Börsengang antreten, was die Gesamtzahl dann auf neun erhöht. Derzeit werden Möglichkeiten ausgelotet, so Reuters, wie private Organisationen sich an der Finanzierung von Greenhouse beteiligen können.

Der Kurs der Reuters-Aktie stieg um 73 Pence auf 1 311 Pence, nachdem er bereits am Donnerstag um knapp 10 % zugelegt hatte. In den vergangenen 52 Wochen schwankte der Kurs zwischen 486 Pence und 1 715 Pence. Im dritten Quartal konnte Reuters seinen Umsatz um 16 % auf 888 Mill. Pfund steigern. Den Löwenanteil steuerte dabei die Sparte Reuters Financial bei, die ihren Umsatz um 7 % auf 634 Mill. Pfund erhöhte. Dagegen legte Instinet mit einem Umsatzzuwachs von 46 % auf 189 Mill. Pfund überaus stark zu. Drei Viertel des Instinet-Geschäfts werden in den USA abgewickelt. Reuters beschäftigt weltweit mehr als 17 000 Mitarbeiter in 98 Ländern.

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