Berater muss Fachausdrücke vermeiden
Kreditinstitut haftet für schlechte Beratung

Banken, die ihren Kunden die Zukunft eines Fonds allzu rosig ausmalen, ohne sie zusätzlich darüber aufzuklären, dass die derzeit günstige Entwicklung auch einmal ins Gegenteil umschlagen kann, machen sich wegen fehlerhafter Anlageberatung schadensersatzpflichtig.

HB GARMISCH. Die Bank muss hinsichtlich der Risiken schon Klartext reden, verlangt das Amtsgericht (AG) Hamburg - und zwar in einer für den Laien verständlichen Sprache. Fachausdrücke haben darin nach Ansicht des Gerichts nichts zu suchen.

9 152,12 Euro hatte eine Rentnerin Mitte 2000 in Fonds angelegt. Zu diesem Zweck löste sie ihr Sparbuch auf, das seinerzeit zwischen 3,5 bis 3,75 % Zinsen brachte. Das sei doch sehr gering, meinte die Kundenberaterin und empfahl der Kundin den Kauf von Investmentfondsanteilen. Die Kundin machte deutlich, dass sie zwar gern mehr Zinsen haben, dafür aber kein Risiko eingehen wolle. Die Beraterin zerstreute daraufhin die Zweifel der Kundin mit diversen Fachausdrücken. Als die spätere Klägerin Anfang 2001 einen Depotauszug erhielt, betrug der Wert ihrer Anteile nur noch 7 859,86 Euro. Ein Mitarbeiter der Bank vertröstete sie weiter. Im Februar 2002 trennte sie sich schließlich von den Fonds und erzielte 5 766,83 Euro.

Das AG sprach ihr die Differenz von 3 385,29 Euro sowie auch den Zinsverlust durch die Auflösung des Sparguthabens zu. Begründung: Die Bank habe der Kundin nicht die Augen dafür geöffnet, dass der Fonds insgesamt Verluste erleiden könne. Einziger Wermutstropfen für die Kundin: Sie muss sich nach Ansicht des Gerichts ein Mitverschulden von 1/3 anrechnen lassen, weil sie die Fonds zu spät verkaufte. Die Klägerin hat dagegen Berufung beim Landgericht Hamburg eingelegt (Az.: 313 S 66/03).

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