Berater regeln Nachfolge zu spät
Rechtsanwälte tun sich schwer mit dem Kanzleiverkauf

Der zunehmende Wettbewerbsdruck unter den mittlerweile 126 000 deutschen Rechtsanwälten führt nicht nur dazu, dass die Einkommen der Advokaten signifikant sinken - auch die erzielbaren Erlöse aus einem Kanzlei- oder Sozietätsanteilsverkauf schmelzen dahin.

GARMISCH. Der Grund: Potenzielle Erwerber schauen angesichts des immer schwieriger werdenden Beratungsgeschäftes äußerst kritisch auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen. Zu tief sitzt die Angst, eine mehr oder weniger wertlose Kanzlei zu erwerben und dafür noch Jahrzehnte lang Bankkredite abtragen zu müssen. Kanzleivermittler Markus Schiller aus Altötting stellt ernüchternd fest: "Der Markt ist übersättigt. Zumindest die Banken sehen das so. Kanzleien mit einem Jahresumsatz von 700 000 oder 800 000 Euro sind derzeit nicht zu verkaufen". Schillers Einschätzung: Derzeit haben die kleineren Kanzleien noch die besten Chancen, einen Käufer zu finden.

Im Unterschied zu den Anwälten erzielen Steuerberater einen wesentlich höheren Kaufpreis für ihre Praxis - laut Rechtsanwalt Michael Streck, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Anwaltvereins (DAV), sind das zwischen 100 und 200 % des Umsatzes. Der Grund: Steuerberater profitieren vor allem davon, dass der Anteil ihrer Dauermandate wesentlich höher liegt. "Anwälte", so Streck nüchtern, "haben zwar etwas zu verdienen, aber nichts zu verkaufen".

"Erfahrener Rechtsanwalt bietet Kollegen/in günstigen Einstieg in lebhafte Allgemeinkanzlei." So oder ähnlich lauten die zahlreichen Verkaufsofferten in den Anzeigenrubriken von Tageszeitungen und Fachzeitschriften. Kein Zweifel: Die deutsche Anwaltschaft steht, wie die mittelständische Wirtschaft auch, vor einem Generationswechsel. Knapp 25 % von ihnen befinden sich laut Altersstrukturstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) im Alter zwischen 50 und 70 Jahren.

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