Beratung über Konsequenzen aus der Bluttat von Erfurt
Schröder diskutiert über Gewalt im Fernsehen

Als Konsequenz aus der Bluttat von Erfurt beruft die Bundesregierung einen Runden Tisch zur Darstellung von Gewalt im Fernsehen und Internet ein. Dies vereinbarte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Abend bei einem Treffen mit Intendanten privater und öffentlich-rechtlicher Fernsehsender in Berlin.

dpa BERLIN. Die TV-Sender wollen zudem Aufklärungs-Spots senden, in denen Gewalt als Konfliktlösungsmittel geächtet wird. ZDF-Intendant Markus Schächter hält es für möglich, dass der Runde Tisch eine Art Ehrenkodex zur Darstellung von Gewalt vereinbart. Zugleich soll das Gremium Vorschläge für einen verbesserten Jugendschutz erarbeiten. Neben der Politik sollen Fernsehsender, Landesmedienanstalten sowie Internet-Anbieter vertreten sein.

Man müsse alles tun, damit sich durch Aufklärung Erfurt nicht wiederholt, sagte Schröder. Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Fritz Pleitgen erklärte, die öffentlich-rechtlichen Sender hätten zwar ein funktionierendes Kontrollsystem, dennoch hätten nach Erfurt die Alarmglocken geschrillt. Besorgt äußerte sich Pleitgen vor allem über gewalttätige Videospiele im Internet.

Prominente Fernsehvertreter verwahrten sich dagegen, mit Blick auf Erfurt den Medien den Schwarzen Peter zuzuschieben. Sie rechtfertigten die Darstellung von Gewalt als Teil der Realität. "Gewalt ist leider ein prägendes Element im menschlichen Miteinander. Die Medien haben sich damit auseinander zu setzen, real und fiktional", sagte Fritz Pleitgen. "Es gibt Gewaltszenen, die wehtun, die aber eine gesellschaftliche Wirkung erzielen, in dem sie aufrütteln und zur Aktion gegen Gewalt mahnen." RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler warnte davor, die Medien zum "Sündenbock" zu machen.

Der Grünen-Rechtsexperte Volker Beck mahnte, die Darstellung von Gewalt im Fernsehen differenziert zu betrachten. "Gewaltanwendung ist ein gesellschaftliches Phänomen, das auch in Filmen und Berichterstattungen nicht tabuisiert werden kann. Es kann nicht angehen, dass künftig im deutschen Fernsehen nur noch Heimat- und Tierfilme zu sehen sind!" Die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer, forderte, die Position der Jugendschutzbeauftragten der Fernsehsender zu stärken.

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