Bereich Multimedia musste besonders bluten
Strikte Kostenkur bei Gruner und Jahr

Schwächelnde oder rückläufige Auflagen und der dramatische Einbruch im Anzeigengeschäft haben die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in Bedrängnis gebracht.

dpa HAMBURG. Der Hamburger Branchenprimus Gruner+Jahr (G+J) ist bislang dank seiner breiten internationalen Ausrichtung mit einem blauen Auge davon gekommen und zumindest nicht in die Verlustzone geraten. Doch Vorstandschef Bernd Kundrun hat dem Hamburger Großverlag eine strikte Kostenkur verordnet, um mittelfristig wieder die in der Vergangenheit üblichen Renditen zu erreichen.

"Aus dem Markt sind zur Zeit keine besseren Ergebnisse zu erzielen, also können diese nur aus Kostenanpassungen kommen", sagte am Freitag der Vorstandschef, der seit rund eineinhalb Jahren die Geschicke am Hamburger Baumwall lenkt. Alle Zeitungen und Zeitschriften der deutschen Verlage haben im vergangenen Jahr insgesamt 7,1 Prozent der Brutto-Anzeigenumsätze verloren und Kundrun erwartet, dass sich dieser Trend zumindest im laufenden Jahr fortsetzt. Eine Wende zum Besseren sei auf Grund der aktuellen Werbebuchungen bislang nicht zu erkennen. So ist damit zu rechnen, dass Gruner+Jahr in diesem wie im vergangenen Jahr mit schrumpfenden Umsätzen fertig werden muss. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht.

Anzeigenrückgang bei Wirtschaftstitel

Auf der Gewinnseite leidet der Hamburger Verlag besonders durch den Anzeigenrückgang seiner Wirtschaftstitel ("Börse Online", "Capital", "Impulse"). "Wir haben in diesem Segment von der Börsen- Euphorie überproportional profitiert und nun sind wir hier auch vom Ende der Euphorie stärker betroffen als der Markt insgesamt", sagt Kundrun. Nach Einschätzung von Branchenkennern dürfte G+J im abgelaufenen Kalenderjahr ungefähr 100 Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITA) verdient haben. Bei einer angestrebten G+J-Umsatzrendite von zehn Prozent müsste der Drei- Milliarden-Euro Konzern mittelfristig wieder ungefähr 300 Millionen Euro erreichen.

Allein 100 Millionen Euro Einsparungen will Kundrun in dem verzweigten Verlagshaus mobilisieren. Bei dem Programm "CAP" (Cost and Processes) ging es um Spesen und Reisekosten, Einkaufsoptimierung, verbesserte Nutzung der Anlagen und Ähnliches - das kleine Management-Einmaleins also. Rund zwei Drittel der geplanten Maßnahmen seien bereits umgesetzt und würden nun dauerhaft ergebniswirksam.

Doch 100 Millionen Euro an Einsparungen reichen nicht für die G+J - Ergebnisziele. So wird in allen Unternehmensbereichen und Einzelgeschäften nach Einsparmöglichkeiten gefahndet, Personal und Strukturen den gesunkenen Umsätzen angepasst. Besonders bluten musste der Bereich Multimedia. "Wir alle hatten im Jahr 2000 gehofft, dass sich hieraus ein eigenständiger Unternehmensbereich entwickeln könnte, aber diese Blütenträume sind - wie bei allen anderen Verlagen auch - geplatzt!", sagt der G+J-Chef. So sind die Internet-Aktivitäten drastisch zurückgestutzt worden und konzentrieren sich vor allem auf die Netzauftritte der Print-Objekte.

Zwei Objekte wurden bereits geschlossen

Als letzten Ausweg, wenn nichts anderes half, hat G+J auch einige Objekte geschlossen. So sind das Wirtschaftsmagazin "Bizz" ebenso wie die Internetzeitschrift "Online Today" wieder vom Markt verschwunden. "Wenn mittelfristig keine Perspektive zu erkennen ist, dann bleibt leider keine andere Wahl", sagt Kundrun. Sparen wird aber nicht die einzige G+J-Maxime sein. Ebenso denkt man in diesem Jahr über die Einführung neuer Magazine nach, sofern das mit den konjunkturellen Rahmenbedingungen vereinbar ist, so Kundrun.

Ausdrücklich bekennt sich Kundrun zur "Financial Times Deutschland" (FTD). "Alle Gerüchte über ein Ende des Projektes sind Quatsch", stellt er fest. "Die FTD ist ein exzellentes Qualitätsprodukt und die Pearson-Gruppe und wir haben keinerlei Absicht, vom Engagement für die FTD abzurücken."

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