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Bereit zum Start

Der Frankfurter Flughafen will an der Börse abheben. Ob die Aktie der Fraport AG reibungslos startet, hängt vor allem vom Preis ab. Fondsmanager fordern eine konservative Bewertung.

Noch schöner als Fliegen - unter diesem Motto will Fraport am 11. Juni die erste deutsche Flughafenaktie an die Börse bringen. Glaubt man den Analysten der Konsortialbanken, dann bieten Airports gegenüber Fluglinien entscheidende Vorteile: Die Anleger profitieren zwar vom Wachstum im Luftverkehr, um Risiken wie den Ölpreis müssen sie sich aber nicht kümmern. Und: Die Konkurrenz zwischen den Flughäfen wird zwar härter, ist aber noch lange nicht so scharf wie der Wettbewerb zwischen den Airlines.

In Europa zählt Fraport bereits zur Spitze: Im vergangenen Jahr starteten und landeten knapp 50 Millionen Passagiere in Frankfurt, damit belegen die Hessen nach London Heathrow den zweiten Platz auf dem alten Kontinent und kommen weltweit auf Rang sieben. Im Frachtgeschäft hat Fraport auf dem europäischen Markt sogar die Nase vorn. Und der Luftverkehr wächst weiter. Bis zum Jahr 2014 soll sich die Zahl der Flugpassagiere verdoppeln.

Der größte deutsche Airport kämpft jedoch bereits jetzt mit Kapazitätsproblemen. Ohne den geplanten Ausbau des Flughafens kann Fraport in Frankfurt nicht vom prognostizierten Aufschwung profitieren. Hier liegt eines der größten Risiken des Börsengangs, denn die Erweiterung findet zwar breite politische Unterstützung, allerdings drohen lärmgeplagte Nachbargemeinden bereits mit einer Klagewelle.

Als wichtigste Messlatte für die Frankfurter gilt die British Airport Authority (BAA), die unter anderem die drei Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick und Stanstead betreibt. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als sechs Milliarden Pfund sind die Briten zwar unangefochten die Nummer eins in Europa, den Frankfurtern attestieren die Konsortialbanken allerdings die besseren Wachstumschancen: Den Prognosen zufolge soll der Gewinn in den nächsten drei Jahren um 35 Prozent zulegen. Doch ausgerechnet im Jahr des Börsengangs wird Fraport aller Voraussicht nach weniger Geld verdienen. Dresdner Kleinwort Benson rechnet mit einem Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 662 Millionen DM auf 604 Millionen DM. Der zweite Konsortialführer Morgan Stanley erwartet ein Ebit von 649 Millionen DM.

Den fairen Wert der Fraport-Aktie beziffern die beiden Banken auf 38 bis 47 Euro. Legt man als Maßstab für die Preisfindung das Verhältnis von Unternehmenswert (Enterprise Value, EV) und Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zu Grunde, so kommt man auf rund 44 Euro je Fraport-Aktie. Allerdings dürften die Papiere mit einem bei Börsengängen üblichen Risikoabschlag an den Markt kommen. Bei einem Abschlag von 15 Prozent könnte die endgültige Preisspanne etwa bei 32 bis 40 Euro liegen.

Fondsmanager Michael Gierse von Union Investment hält aber selbst das noch für zu viel. Er gibt der Aktie nur eine Chance am unteren Ende dieser Spanne. Nach seinen Vorstellungen sollte die Fraport-Aktie "nicht mehr als 30 Euro kosten".

Liegt der Preis am oberen Ende, würde Fraport mit einem Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV) von 19 bewertet. Der große Konkurrent BAA wird derzeit an der Londoner Börse nur mit einem KGV von rund 15 gehandelt. "Teurer als BAA sollte Fraport aber auf keinen Fall sein", meint Gierse.

Viele Großinvestoren stört, dass Fraport nach dem Börsengang weiterhin von den drei Altaktionären, der Stadt Frankfurt, dem Bund und dem Land Hessen, dominiert wird. Auch die Expansionspläne des Airports stoßen nicht nur auf Gegenliebe. Selbst die Analysten des Konsortialführers Dresdner Kleinwort Wasserstein mäkeln in ihrer Studie, "in Bezug auf das Ausmaß der Auslandsamibitionen von Fraport sind wir leicht besorgt". Ihres Erachtens dürften sich Kapitalbeteiligungen jedoch auf Minderheitsbeteiligungen an Flughäfen beschränken.

Zudem ist BAA deutlich profitabler als Fraport. Vor allem bei den Erlösen aus dem Einzelhandelsgeschäft hinken die Frankfurter der Konkurrenz hinterher. Der Grund: Das Land Hessen hatte die Einzelhandelsfläche für den Flughafen auf 10 000 Quadratmeter beschränkt, um die städtischen Einzelhändler in Frankfurt zu schützen. Inzwischen hat das Land jedoch ein Einsehen gehabt. Bender darf die Ladenflächen innerhalb der nächsten Jahre auf 20 000 Quadratmeter verdoppeln.

Der Flughafenchef will hoch hinaus. Sein Ziel: "Wir wollen zu den drei weltweit führenden Flughafenbetreibern aufsteigen." Aus diesem Grund erwarten Experten, dass der Airport bald nach dem Börsengang im Kerngeschäftsfeld Bodendienste in Italien einsteigen wird.

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