Bereits größter Aktionär
INA besitzt schon sechs Millionen FAG-Aktien

Bereits vor Beginn der Frist für ihr Übernahmeangebot hat der Herzogenauracher Wälzlagerhersteller und Autozulieferer INA in großem Stil Aktien von FAG Kugelfischer erworben

Reuters HERZOGENAURACH. Bis Mittwoch habe die eigens für die Transaktion gegründete INA Vermögensverwaltungsgesellschaft GmbH mehr als sechs Millionen Kugelfischer-Aktien gekauft, teilte INA am Donnerstag mit.

INA ist somit mit mehr als zehn Prozent bereits größter FAG-Aktionär. Das Unternehmen werde auch weiter jede Möglichkeit nutzen, Aktien zu erwerben, sagte ein Sprecher. Ob INA schon vor der Ankündigung der vom Kugelfischer-Vorstand als feindlich eingestuften Offerte FAG-Papiere gekauft habe, wollte er nicht sagen. Von Montag an können die FAG-Aktionäre ihre Aktien für elf Euro je Stück verkaufen. Gelingt INA die Übernahme, entstünde der zweitgrößte Wälzlager-Hersteller der Welt.

Am Tag der Ankündigung Kauf von 3,74 Millionen Aktien

Allein am Dienstag, einen Tag nach der Ankündigung der Offerte, habe INA 3,74 Millionen FAG-Aktien zu Preisen zwischen 10,30 und 10,75 Euro erworben, teilte das Familienunternehmen in einer Finanzanzeige mit. "Wir nehmen jede Möglichkeit wahr, Aktien zu kaufen", sagte der Sprecher. Bei INA meldeten sich laufend FAG- Aktionäre, die verkaufen wollten. Größter Einzelaktionär von FAG war bisher nach Unternehmensangaben Fritz Schäfer. Das Mitglied der Gründerfamilie halte 6,5 Prozent. Die im Nebenwerte-Index MDax notierten Kugelfischer-Papiere stiegen am Donnerstag weiter auf 10,75 Euro und näherten sich damit der Übernahmeofferte an. Diese liegt 55 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs von 7,10 Euro am vergangenen Freitag.

Unterdessen hat INA offiziell das auf je elf Euro lautende Übernahmeangebot vorgelegt. Vom kommenden Montag an haben die Kugelfischer-Aktionäre fünf Wochen bis zum 22. Oktober (12:00 Uhr MESZ) Zeit, um die Kaufofferte anzunehmen, wie aus mehreren Finanzanzeigen hervorgeht. Gegebenenfalls werde es auch eine Nachfrist geben, hieß es. Das Ergebnis soll spätestens vier Tage nach Ablauf der Frist bekannt gegeben werden.

75% der FAG-Anteile müssen erreicht werden

Die INA-Holding hat die Übernahme der Aktien an zwei Bedingungen geknüpft: 75 Prozent der FAG-Anteile müssten an die eigens dafür gegründete Tochter INA GmbH eingereicht werden, und die EU-Wettbewerbsbehörde müsse bis spätestens 31. März 2002 der Übernahme zustimmen, heißt es in dem Angebot. INA behalte sich aber vor, auf die Erfüllung einer oder beider Bedingungen zu verzichten. Finanziert wird die bis zu 670 Millionen Euro teure Übernahme nach INA-Angaben von der Deutschen Bank.

Bei den Aktionärsschutzvereinigungen stößt das feindliche Übernahmegebot auf ein gespaltenes Echo. Klaus Schneider, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), empfiehlt den Aktionären, die Offerte abzulehnen, weil es sich um ein "Schnäppchenjagd-Angebot" handele. "Der Wert von FAG ist deutlich höher", sagte Schneider Reuters. Daniela Bergdolt, Landesgeschäftsführerin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), äußerte sich weniger ablehnend. Die Offerte sei "nicht schlecht", sagte sie, schränkte aber ein: "Ich würde Aktionären erst einmal zum Abwarten raten." Die Erfahrung zeige, dass häufig ein noch besseres Angebot folge. FAG Kugelfischer hatte ebenfalls dringend gebeten, die Aktien nicht umzutauschen. Das Angebot sei zu niedrig, man suche nach Alternativen. Analysten sagten jedoch, dem Angebot könnten die Aktionäre schwer widerstehen.

Nach erfolgreicher Übernahme Rückzug von der Börse

INA bekräftigte die Absicht, die Kugelfischer-Aktien nach einer erfolgreichen Übernahme vom Börsenzettel streichen zu lassen. Sobald dies möglich sei, werde INA die verbleibenden FAG-Aktionäre auch zum Verkauf ihrer Anteile zwingen. Das so genannte "Squeeze out" soll 2002 gesetzlich ermöglicht werden. Bis dahin erhielten die restlichen Anteilseigner nach einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag eine Barabfindung oder einer Garantiedividende, hieß es weiter.

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