Bereits im Sommer zuständige Behörden informiert
FBI hatte Bush vor Flugzeugentführungen gewarnt

US-Präsident George W. Bush ist bereits mehrere Wochen vor dem 11. September vor möglichen Flugzeugentführungen gewarnt worden. Wie das Weiße Haus einräumte, informierte die US-Regierung nach der Warnung des Geheimdienstes Anfang August die zuständigen Behörden über die Gefahr.

WiWo/ap/rtr WASHINGTON. Es habe seit langem Spekulationen über mögliche Entführungen durch Anhänger des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden gegeben, sagte Präsidentensprecher Ari Fleischer. Wie aus Regierungskreisen verlautete, wurde der Präsident darüber bei einem oder mehreren Routinetreffen mit dem Geheimdienst CIA im Sommer vergangenen Jahres informiert.

Laut Fleischer gab es auch Drohungen, die mit Bin Laden in Verbindung gebracht wurden. Die Warnungen seien jedoch nicht veröffentlicht worden. Möglicherweise hätten die Flugzeugentführer vom 11. September Teppichmesser und Plastikwaffen genutzt, um den verschärften Kontrollen zu entgehen, sagte Fleischer.

Die "New York Times" hatte am zuvor berichtet, ein Agent der Bundespolizei FBI habe in den Wochen vor September 2001 darauf hingewiesen, dass Anhänger des Moslem-Extremisten Osama bin Laden sich in Flugschulen auf Anschläge vorbereiten könnten. Ein entsprechendes Memorandum an die FBI-Führung sei im Sommer 2001 von einem Agenten im Bundesstaat Arizona geschrieben und Ende Juli per E-Mail an die FBI-Zentrale geschickt worden, berichtete die Zeitung am Mittwoch. Das Blatt beruft sich in seinem Bericht auf Regierungs- und Polizeikreise. Am 11. September steuerten dann in US-Flugschulen ausgebildete Männer aus islamischen Ländern drei entführte Passagiermaschinen in das World Trade Center von New York und das Verteidigungsministerium bei Washington. Eine vierte entführte Maschine stürzte auf freiem Feld ab. Die US-Regierung macht Bin Laden für die Anschläge verantwortlich, bei denen mehr als 3 000 Menschen ums Leben kamen.

FBI-Direktor Robert S. Mueller, der diesen Posten zwei Wochen vor den Anschlägen antrat, sagte der "New York Times" zufolge, dem Memorandum sei damals nicht die nötige Aufmerksamkeit gewidmet worden. Das FBI habe nicht über ausreichende Analyse-Kapazitäten verfügt, um die Bedeutung des Memorandums zu erkennen. Als Konsequenz daraus sei im FBI eine neue Analyse-Gruppe, das Office of Intelligence, geschaffen worden, berichtete die Zeitung.

Die Existenz des Memorandums war der Zeitung zufolge bereits seit Monaten bekannt. Kongressabgeordnete hätten aber erst kürzlich einen vollständigen Zugang zu dem Dokument erhalten. Die direkte Bezugnahme auf Bin Laden in dem Memorandum sei vorher von der US-Regierung nicht offenbart worden. Einige Abgeordnete betrachteten das Memorandum als wichtigstes Dokument in der parlamentarischen Untersuchung, die sich mit der Frage beschäftige, ob die Regierung hätte gewarnt sein müssen, berichtete die Zeitung. Einige Senatoren seien der Ansicht, dass das Memorandum eine Warnung gewesen sei, die unbeachtet geblieben sei.

Im August hatten nach Informationen der "New York Times" FBI-Agenten versucht zu ergründen, warum sich der Franzose Zacarias Moussaoui in einer Flugschule in Minnesota eingeschrieben hat. In einer Notiz habe ein Agent spekuliert, Moussaoui "plane möglicherweise, ein Flugzeug in das World Trade Center zu fliegen". Moussaoui steht zurzeit im Bundesstaat Virginia vor Gericht. Die Behörden vermuten, dass er an den Attentaten hatte teilnehmen sollen.

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