Bereits zehn Senkungen in diesem Jahr
Experten erwarten Senkung der US-Leitzinsen

Die US-Notenbank (Fed) wird nach Einschätzung deutscher Volkswirte auf ihrer Sitzung an diesem Dienstag eine weitere Zinssenkung beschließen. Die befragten Experten erwarten einstimmig eine Reduzierung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent.

dpa-afx FRANKFURT. Dies wäre die elfte Zinssenkung der Fed im laufenden Jahr. Zuletzt hatte Notenbank-Chef Alan Greenspan die Leitzinsen am sechsten November um 0,50 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent zurückgenommen. Auch die Europäische Zentralbank und die Bank of England hatten diesen Schritt nachvollzogen und ihre Leitzinsen zwei Tage später auf 3,25 und 4 Prozent gesenkt. Auf einen weiteren Zinsschritt Anfang Dezember hatte die EZB jedoch verzichtet.

"Die US-Wirtschaft befindet sich zur Zeit genau in der Talsohle ihrer konjunkturellen Entwicklung", sagte Commerzbank-Volkswirt Patrick. Sein Haus erwartet ebenfalls einen Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte. Zwar könne das erste Quartal 2002 - abhängig vom Konsumverhalten der US-amerikanischen Verbraucher - noch "recht schwach" ausfallen, jedoch hätten die Vereinigten Staaten voraussichtlich "im vierten Quartal den Tiefpunkt" erreicht. Ein "weiterer kleiner Zinsschritt, der der Erholung Rückenwind gibt", wäre daher durchaus sinnvoll, sagte Franke.

Weitere Zinssenkung Anfang 2002 denkbar

Sein Kollege Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht nach dem Zinsschritt am 11. Dezember sogar noch Potenzial für eine weitere Zinssenkung im Januar oder Februar. "Die Fed wird die Zinsen solange zurücknehmen, bis eine eindeutige Erholung der US-Wirtschaft sichtbar wird", sagte er. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres rechne sein Haus "allenfalls mit einer Stabilisierung" der konjunkturellen Lage in den USA, noch nicht mit einer Erholung. "Die gibt es frühestens ab dem dritten Quartal", sagte Sartoris.

Optimistischer sind da die Volkswirte der WestLB gestimmt. Zwar rechnen auch sie noch damit, dass "uns noch einige schlechte Zahlen ins Haus stehen", jedoch erwarten sie schon für das zweite Quartal wieder ein positives Wirtschaftswachstum von annualisiert rund vier Prozent. Nach einer "roten Null" im ersten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA ab April also wieder deutlich wachsen, sagte Volkswirt Bastian Hepperle in Düsseldorf. Auch die Analysten von Delbrück Asset Management in Frankfurt rechnen mit "einer Konjunkturwende in den USA Anfang 2002".

WestLB: Zinssenkung im November war unnötig

WestLB-Volkswirt Hepperle äußerte Zweifel darüber, dass die jüngste Zinssenkung im November tatsächlich notwendig gewesen sei. "Greenspan hatte schon mehr als genug an der Zinsschraube gedreht", sagte Hepperle. Es brauche "eben seine Zeit", bis die Wirtschaft auf die Liquiditätsspritze reagieren könne. "Die jüngsten Zinssenkungen, die aktuelle eingeschlossen, sind eigentlich nur Beruhigungspillen", sagte der Volkswirt. Sie würden Aufbruchstimmung an die Kapitalmärkte bringen und den Verbrauchern zeigen, dass die Fed "zum Handeln entschlossen" sei. Wirtschaftlich notwendig seien sie nicht.

Die jüngsten Zinssenkungen bergen nach Ansicht des Landesbankers sogar die "Gefahr einer Übersteuerung": "Greenspan hat die Zinsen so weit gesenkt, dass er sie im Sommer vielleicht schon wieder wird anziehen müssen", sagte Bastian Hepperle. Sein Kollege Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus&Burkhardt sieht diese Gefahr "nicht vor der zweiten Jahreshälfte" 2002 auf die Fed zukommen. "Von einer überhitzten US-Wirtschaft sind wir noch meilenweit entfernt", sagte er. Auch Patrick Franke von der Commerzbank begrüßt die jüngsten Zinsschritte: "Das Problem der Wirtschaftsschwäche ist noch lange nicht gebannt."

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