Bereits zweites EU-Verfahren
EU verhängt Millionen-Bußgeld gegen SGL Carbon

Die EU-Kommission hat gegen den deutschen Graphitelektroden-Hersteller SGL Carbon und gegen sieben weitere Unternehmen wegen illegaler Preisabsprachen Geldbußen in Höhe von insgesamt 60,6 Millionen Euro verhängt.

Reuters BRÜSSEL/WIESBADEN. Die Kommission der Europäischen Union (EU) teilte am Dienstag in Brüssel mit, die Firmen hätten von 1993 bis 1998 Preise abgesprochen und damit gegen Kartellrecht verstoßen. Zudem hätten sie sensible Informationen ausgetauscht und gelegentlich auch Märkte aufgeteilt. Gegen SGL Carbon verhängte die Kommission deshalb den Angaben zufolge mit insgesamt 27,75 Millionen Euro die höchste Geldbuße. Das Wiesbadener Unternehmen will dies aber nicht hinnehmen und kündigte juristische Gegenmaßnahmen an.

SGL werde gegen die erneute Bußgeldauflage Klage beim Europäischen Gericht in Luxemburg einreichen, teilte das Unternehmen mit. Das Bußgeld sei nicht gerechtfertigt, da es sich um keinen neuen Sachverhalt handele und dieser bereits geahndet worden sei. Bereits 2001 hatte die EU-Kommission gegen das gleiche Kartell eine Geldbuße von insgesamt 219 Millionen Euro verhängt. Damals handelte es sich SGL-Angaben zufolge um Preisabsprachen bei Graphitelektroden. Nun drehe es sich um Spezialgraphite, die sich lediglich in der Verwendung von herkömmlichen Graphitelektroden unterschieden, sagte ein Unternehmenssprecher.

Auch gegen die frühere Strafe von 80,2 Millionen Euro für SGL ist beim Europäischen Gericht noch eine Klage anhängig. SGL erwartet für dieses Verfahren frühestens Ende nächsten Jahres eine Entscheidung.

Wie die EU weiter mitteilte, waren weitere sieben Unternehmen an dem Kartell beteiligt. Es handele sich um die japanische Toyo Tanso (10,79 Millionen Euro Buße), Carbone-Lorraine aus Frankreich (6,97 Millionen Euro Buße), die japanische Tokai Carbon (ebenfalls 6,97 Millionen Euro Buße), die japanische Ibiden (3,58 Millionen Euro Buße), Nippon Steel Chemical (3,58 Millionen Euro Buße) und die niederländische Intech (980.000 Euro). Zudem gehörte auch das US-Unternehmen GraphTech zum Kartell. Dieses Unternehmen ging als Kronzeuge allerdings straffrei aus.

An der Börse behaupteten sich die Anteilsscheine von SGL Carbon, die im Nebenwerte-Index MDax notiert sind, in der Gewinnzone. Sie legten rund vier Prozent auf 8,93 Euro zu. Vor der Nachricht aus Brüssel hatte die Aktien zeitweise rund 6,5 Prozent im Plus gelegen.

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