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Berenberg Bank sieht High-Tech-Sektor von Konjunkturrisiken belastet

Die konjunkturelle Abschwächung infolge der Terroranschläge vom 11. September in den USA wird zu Ertragsausfällen in den Sektoren High-Tech-Engineering/Halbleiter im laufenden Jahr führen. Oliver Wojahn, Analyst bei der Berenberg Bank, erwartet in seiner am Donnerstag in Hamburg vorgelegten Studie eine spätere Erholung der Zielmärkte in 2002 als bisher angenommen.

dpa-afx HAMBURG. Aus diesem Grund revidierte das Finanzhaus seine Umsatz- und Gewinnschätzungen der Branche für die Jahre 2001 und 2002. Die Unsicherheit über die kurzfristige Umsatz- und Ergebnisentwicklung der Unternehmen in konjunkturempfindlichen Märkten habe zugenommen. Halbleiterhersteller wie die Münchener Infineon Technologies seien erfahrungsgemäß besonders konjunkturabhängig. Die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts um 1 % bewirke im Durchschnitt eine Veränderung der Halbleiterabsätze um über 5 %.

Stark negativer Cashflow bei Infineon

Zudem habe Infineon einen stark negativen Cashflow aufgrund der problematischen Situation im Geschäftsfeld Speicherchips, so dass eine längere Rezessionsphase (mehr als 9 - 12 Monate) erneuten Liquiditätsbedarf erzeugen könnte. Wohjahn hat die Siemens-Halbleitertochter derzeit mit "Halten" eingestuft. Die Prognose für den Verlust pro Aktie für 2001 wurde von 0,43 auf 0,71 ? erhöht. Für 2002 sieht der Experte einen Verlust von 0,40 ?, nachdem er zuvor einen Gewinn von 0,24 ? angenommen hatte. Revidiert hat Wojahn auch seine Umsatzschätzungen für den Halbleiter-Hersteller: Während zuvor für das laufende Geschäftsjahr 5,825 Mrd. ? erwartet wurden, geht der Experte nun von 5,705 Mrd. ? beim Umsatz für 2001 aus.

Beim Spezialisten für passive elektronische Bauelemente, Epcos, gibt es laut Wojahn aufgrund der breiten Aufstellung keine Möglichkeit, einen Abschwung in einer Nische völlig unbeschadet zu überstehen. Jüngste Aussagen des Managements deuteten jedoch auf vergleichsweise geringe negative Auswirkungen hin. Während der Branchenexperte seine EPS-Schätzung mit 2,14 ? für 2001 beibehielt, reduzierte er die EPS-Prognose für 2002 auf 2,16 ? von 2,82 ?. Einschnitte auch beim Umsatz: Hier wurde die Prognose für 2002 von 2,142 Mrd. ? auf 1,954 Mrd. ? zurückgeschraubt.

Schlechte Zeiten auch für Investitionsgüter-Hersteller

Auch bei den Investitionsgüter-Herstellern sieht Wojahn dunkle Wolken aufziehen: Im Zuge eingetrübter Konjunkturaussichten sei es denkbar, dass zumindest kurzfristig die Investitionsaktivität der Unternehmen weiter abnehme, da Investitionspläne zurückgefahren oder zeitlich gestreckt würden. Als Unternehmen, die davon betroffen sind, nennt Wojahn Aixtron und Süss Microtec.

Obwohl der Spezialmaschinenbauer Aixtron, der Anlagen für die Halbleiterindustrie produziert, bisher den zyklischen Abschwung der Branche unbeschadet überstanden habe, dürfte eine weitere Eintrübung des Investitionsklimas auch für Aixtron eine Wachstumsdelle bedeuten. Die EPS-Schätzung für 2001 schraubte der Analyst auf 0,47 ? von 0,56 ? zurück. Auch beim Umsatz sieht der Experte eine Verringerung von 251 auf 232 Mill. ? in 2001 und von 334 auf 323 Mill. ? im kommenden Jahr 2001. Aufgrund der optisch immer noch hohen Bewertung ergebe sich ein Rückschlagspotenzial. Langfristig sieht Analyst Wojahn keine Notwendigkeit, die positive Einstellung für das Unternehmen zu revidieren.

Telekomunternehmen gelten als potenzielle Gewinner

Bei Süss Microtec sei die Ausgangslage der von Aixtron ähnlich, jedoch sei die Bewertung nach Mutiplikatoren optisch weniger ambitioniert, so dass das kurzfristige Rückschlagpotenzial geringer sein dürfte.

Als potenzielle Gewinner der Krise werden laut Wohjahn Telekomunternehmen gesehen. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob dies auch für die mobile Telekommunikation gelte. Dagegen spreche die vermutlich eingeschränkte Reisetätigkeit und ein angeschlagenes Konsumentenvertrauen.

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