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Beresowski: Russische Regierung will Abgabe der ORT-Anteile erzwingen

Der russische Medienmogul und Finanzmagnat Boris Beresowski hat der Moskauer Regierung vorgeworfen, ihn zur Abgabe seiner Anteile am Fernsehsender ORT zwingen zu wollen.

ap MOSKAU. Damit wolle die Regierung kritische Berichterstattung ausschalten, erklärte Beresowski am Montag in einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin. Der Kreml habe ihm ein Ultimatum gestellt, beschuldigte Beresowski die Regierung: Entweder verkaufe er innerhalb von zwei Wochen seine ORT-Anteile, oder er müsse mit Konsequenzen rechnen, habe ihm ein ranghoher Regierungsvertreter angedroht. Medienminister Michail Lessin sagte am Montag, der Kreml habe Beresowskis Brief nicht erhalten.

"Wenn ich mich diesem Ultimatum füge, wird das das Ende der Information im russischen Fernsehen sein", schrieb Beresowski in dem von der Nachrichtenagentur Interfax veröffentlichten Brief. "Sie wird durch Fernsehpropaganda ersetzt werden." Die Regierung hält derzeit 51 % von ORT, dem einzigen Fernsehsender Russlands, dessen Programm im ganzen Land ausgestrahlt wird. Die anderen 49 % soll Beresowski besitzen.

Der Medienmogul betonte, er werde sich dem Kreml nicht beugen, sondern lieber Journalisten seine Anteile zur Verwaltung überlassen. Beresowskis Angaben zufolge hatte der Regierungsvertreter gedroht, er werde in diesem Fall dem Medienunternehmer Wladimir Gussinski folgen. "Offenbar ins Butyrskaja-Gefängnis", schrieb Beresowski. Gussinski war im Juni unter Betrugsvorwürfen mehrere Tage lang inhaftiert gewesen; das Strafverfahren wurde später aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Eine Übergabe der ORT-Beteiligung an die Journalisten würde der Kreml begrüßen, sagte Medienminister Lessin am Montag. Aus Regierungskreisen verlautete Interfax zufolge, Beresowski habe dem Staat seine Anteile angeboten, weil er verschuldet sei. Beresowski hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, er verhandle mit der Regierung über einen Wiederverkauf seiner ORT-Anteile. Nun beschuldigte er Putin, ihn wegen der ORT-Berichterstattung über den Untergang des Atom-U-Boots "Kursk" zum Verkauf bewegen zu wollen.

"Der Grund für so einen Vorschlag war Ihre Unzufriedenheit mit der ORT-Berichterstattung über das Geschehen um die U-Boot-Katastrophe", schrieb Beresowski. "Ihr Gesandter berichtete mir, dass der Präsident ORT selbst kontrollieren wolle." Putin hatte den Medienmogulen in der vergangenen Woche vorgeworfen, sie hätten Unwahrheiten über das Unglück verbreitet, um die Regierung zu erpressen.

Beresowski gilt als einer der einflussreichsten Männer unter den so genannten Oligarchen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion in den 90er Jahren zum Teil beträchtliche Vermögen anhäuften. Unter Präsident Boris Jelzin wurde Beresowski nicht unerheblicher Einfluss auf die Politik des Kremls nachgesagt, den er nach der Machtübernahme Putins verlor. Beresowski wurde vom Unterstützer der Regierung zum scharfen Kritiker. Er wirft Putin vor allem einen autoritären Führungsstil vor.

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