Bericht der "Berliner Zeitung"
Wertpapieraufsicht überprüft Verhalten von SAP

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel überprüft nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" das Vorgehen des Softwarekonzerns SAP bei der Bekanntgabe von Auswirkungen des Verlustes seines US-Partners Commerce One auf das eigene Ergebnis. "Wir prüfen, ob SAP gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat", zitierte die Zeitung eine Sprecherin des Amts in einem am Montagabend vorab veröffentlichten Bericht.

Reuters FRANKFURT. Am Wochenende hatte SAP bestätigt, dass wegen der Aufstockung des Anteils an Commerce One auf 20 % die jüngsten Verluste des US-Unternehmens rückwirkend entsprechend des früheren SAP-Anteils im Quartalsergebnis berücksichtigt werden müssten. Ein SAP-Sprecher bezifferte den Betrag am Montag auf gut 90 Mill. $ für das zweite Quartal und stellte andere Meldungen damit richtig.

SAP-Sprecher Herbert Heitmann sagte auf Anfrage, SAP habe in diesem Sachverhalt keine kursbewegende Tatsache gesehen, die per Pflichtmitteilung veröffentlicht werden müsse. Eine Stellungnahme des Bundesaufsichtsamts war zunächst nicht zu erhalten.

SAP hatte am Donnerstag seine Ergebnisse für das zweite Quartal bekannt gegeben, die besser als erwartet ausgefallen waren. Commerce One folgte noch am gleichen Tag mit der Bekanntgabe eines Quartalsverlustes von 2,06 Mrd. $. Gemäß den US-Börsenregeln muss SAP wegen der Aufstockung des Anteils die Verluste entsprechend den bisherigen Anteilen an Commerce One - im zweiten Quartal von SAP lag die Beteiligung bei 4,4 % - berücksichtigen. SAP-Sprecher Heitmann bezifferte den daraus entstehenden Betrag für das zweite Quartal auf gut 90 Mill. $ (etwa 104 Mill. Euro), um den sich der Nettogewinn des Quartals von 206 Mill. Euro verringern würde. Er stellte damit Meldungen vom Wochenende richtig, in denen von 90 Mill. Euro die Rede war.

Heitmann verwies darauf, dass dieser Betrag nur verbucht werden müsse, falls die US-Kartellbehörde die Erhöhung des Anteils von SAP an Commerce One genehmige. Der Antrag dafür sei erst am vergangenen Freitag gestellt worden, und bis zur Entscheidung dauere es bestimmt noch etwa vier Wochen.

Insgesamt sehe SAP in dem Vorgang keine kursbeeinflussende Tatsache, da die fundamentalen Ergebniszahlen wie etwa der Cash Flow des Unternehmens überhaupt nicht beeinflusst würden, ergänzte er. Lediglich der Nettogewinn des Quartals werde im Nachhinein buchhalterisch verringert. "Wenn wir eine Ad-Hoc-Pflicht gesehen hätten, hätten wir eine Mitteilung gemacht", sagte Heitmann. Im übrigen habe SAP bereits bei der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am Donnerstag generell darauf hingewiesen, dass SAP bei der Aufstockung des Commerce-One-Anteils deren Verluste im Nachhinein entsprechend der vorherigen Beteiligungsquoten berücksichtigen müsse.

An der Börse hatte die SAP-Aktie am Montag zunächst etwas an Wert verloren. Zum Börsenschluss wurde die Aktie mit 159,99 Euro um gut 2,5 % höher gehandelt als am Vortag, sie lag damit besser als der Gesamtmarkt. Die Investmentbank Credit Suisse First Boston teilte mit, die Berücksichtigung der Commerce-One-Verluste beeinflusse die Cash-Situation und den operativen Gewinn von SAP nicht.



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