Bericht im "Spiegel"
Dresdner Bank ließ offenbar Mitarbeiter und Journalisten bespitzeln

Wer telefoniert mit wem? Woher bezieht die Presse ihre Informationen? Um das herauszufinden, war dem ehemaligen Vorstandschef Bernhard Walter nach "Spiegel"-Angaben jedes Mittel recht.

ap HAMBURG. Die Dresdner Bank hat nach "Spiegel"-Informationen Mitarbeiter und Journalisten von einem Detektiv bespitzeln lassen. Wie das Hamburger Nachrichtenmagazin am Wochenende berichtete, bestätigten das hochrangige Manager des Geldhauses. Eine Sprecherin wollte den Bericht auf AP-Anfrage nicht weiter kommentieren.

Dem Bericht zufolge soll der Detektiv schon vor weit über einem Jahr überprüft haben, ob Bankmitarbeiter von ihren Telefonen aus Journalisten angerufen haben. Ab Oktober 1999 sei er von der Bank unter der Führung des damaligen Vorstands-Chefs Bernhard Walter zudem beauftragt gewesen, auch Journalisten zu bespitzeln. Er habe herausfinden sollen, woher zwei Redakteure des "Manager Magazins", ein Korrespondent der "Wirtschaftswoche" und ein "Spiegel"-Redakteur ihre Informationen über die Bank beziehen.

Kommunikationschef Siegfried Gutermann bestätigte dem "Spiegel" sowohl die Kontakte seines Instituts zu dem Detektiv als auch die Existenz von Dossiers mit Recherche-Ergebnissen. Einen entsprechenden Ordner mit Unterlagen habe eine Bankmanagerin vor wenigen Wochen der Rechtsabteilung übergeben.

Der neue Chef der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, habe seinen Vorgänger Walter zur Rede gestellt, heißt es in dem Bericht weiter. Walter habe zunächst gesagt, er könne sich eigentlich nicht an den Vorgang erinnern und habe sich die Akte kommen lassen. "Seltsamerweise hat er dann jedoch laut Gutermann die Unterlagen nicht eingesehen", schrieb der "Spiegel" weiter.

Walter wolle von der Beauftragung des Detektivs "mit Blick auf Nachforschungen gegenüber Mitarbeitern und Journalisten" nichts gewusst haben. Gutermann sagte dem Magazin zufolge: "Wir können die Vorwürfe nicht dementieren." Fahrholz wiederum könne sich nicht vorstellen, dass es zu solchen Aktionen gekommen sei. "Sie entsprächen weder dem Selbstverständnis der Bank noch meinem Verständnis vom Umgang mit der Presse", wird der Bank-Chef zitiert.



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