Bericht über Warnung dementiert
Djerba-Verdächtiger wieder frei

Die tunesische Regierung rückte am Dienstag von ihrer bisherigen Aussage ab, es habe sich mit Sicherheit um einen Unfall gehandelt. Arabische Zeitungen berichteten, dass sich eine zum El-Kaida-Netzwerk von Osama bin Laden gehörende Gruppe als Urheber des Anschlags vor der Synagoge von Djerba bezeichnet habe.

dpa KARLSRUHE/BERLIN. Der am Vortag im Raum Duisburg festgenommene Mann war am Dienstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärte, bei der Vernehmung des Mannes habe sich kein dringender Tatverdacht ergeben. Das Hamburger Magazin "Stern" hatte zunächst berichtet, er werde dem Umfeld der Terrororganisation El Kaida zugerechnet.

Der Mann - nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch) ein zum Islam konvertierter gebürtiger Pole - war festgenommen worden, weil es einen Hinweis von tunesischen Behörden darauf gab. Demnach hatte der mutmaßliche Verantwortliche für die Explosion auf Djerba wenige Stunden vor der Katastrophe nach Deutschland telefoniert. Daraufhin hatte das Bundeskriminalamt (BKA) im Auftrag der Bundesanwaltschaft fünf Objekte in Duisburg, Mülheim und Haan bei Düsseldorf durchsucht.

Das Bundesinnenministerium dementierte unterdessen energisch einen Bericht über eine angebliche Warnung vor einem Terroranschlag in Tunesien. Der Sprecher des Ministeriums, Rainer Lingenthal, erklärte am Mittwochmorgen, die Meldung der "Bild"-Zeitung sei "völliger Unsinn" und "frei erfunden". Kein Wort "dieser Unterstellungen" sei wahr.

Das Blatt berichtet am Mittwoch unter Berufung auf Informationen aus Sicherheitskreisen, bereits vor der verheerenden Explosion auf der Ferieninsel Djerba solle das BKA Hinweise auf einen möglichen Anschlag auf deutsche Touristen in Tunesien gehabt haben. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, sagte der Zeitung: "Wir verlangen unverzüglich Aufklärung darüber, ob eine Warnung des Bundeskriminalamtes vor einem Anschlag auf deutsche Touristen ignoriert wurde." Bosbach kündigte für diesen Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des Bundestags-Innenausschusses an.

Bei der Explosion eines Tanklastwagens vor der La-Ghriba-Synagoge auf Djerba waren am vergangenen Donnerstag mindestens 15 Menschen getötet worden, darunter zehn Deutsche. Mehrere der deutschen Opfer schwebten am Dienstag weiterhin in Lebensgefahr.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bekräftigte, nach den bisherigen Informationen neige er eher der These eines Anschlags zu. Schily kündigte an, er werde nach Tunesien reisen. Einen Termin nannte er nicht. Fünf weitere BKA-Beamte reisten zur Unterstützung ihrer beiden Kollegen vor Ort nach Tunesien.

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