Berichte über enges Verhältnis zu Lobbyistin
McCain von Schmutzkampagne überrumpelt

Enthüllungen über wirkliche oder nur vermeintliche „Leichen im Keller“ können jedem Favoriten das Genick brechen. Daran dürfte der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain jetzt erinnert worden sein. Die „New York Times“ hat seine Vergangenheit durchleuchtet – und ist fündig geworden.

cot DÜSSELDORF. John McCain hat sich die Kandidatur der Republikaner so gut wie gesichert. Doch vor allem bei den Konservativen in der Partei bleibt er umstritten. Bei ihnen muss der Vietnam-Veteran noch reichlich Sympathiepunkte sammeln. Wenig hilfreich dürfte ihm dabei ein aktueller Bericht der renommierten „New York Times“ sein.

Demnach soll McCain vor neun Jahren ein verfängliches Verhältnis mit einer Lobbyistin gepflegt haben. Wie die Zeitung meldete, vertrat die Frau die Interessen der Telekommunikationsbranche. Sie habe Telekommunikationsfirmen vertreten, für die der Handelsausschuss, in dem McCain im Senat saß, besonders wichtig gewesen sei. Ihre Kunden hätten Zehntausende von Dollar für McCains Wahlkampf gespendet, heißt es.

Mitarbeiter von McCain, der in seinem Wahlkampf moralische Werte betont, hätten ihn 2000 jedoch überzeugen können, die Beziehung zu beenden, da sie negative Folgen für seine politische Karriere fürchteten, so die Zeitung. Bekannt ist der Fall bereits seit Ende vergangenen Jahres, wie das deutsche Weblog »  „Der nächste US-Präsident“ berichtet.

McCains Wahlkampfmanagement wies die Anschludigungen als falsch zurück. McCain selbst erklärte am Mittwochabend, er werde es nicht zulassen, dass „eine Schmutzkampagne“ von seinem Wahlkampf ablenke und kündigte für heute eine Erklärung an.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist heikel: Vor ein paar Wochen hätte eine solche Nachricht McCain noch empfindlicher treffen können. Mittlerweile ist ihm die Nominierung so gut wie sicher. Nach seinen Siegen zuletzt in Wisconsin und im Staat Washington liegt er mit 957 Delegierten klar vor seinem letzten verbliebenen Rivalen Mike Huckabee.

Im voraussichtlichen Kampf mit dem bislang makellosen Demokraten Barack Obama könnten McCain unangenehme Gerüchte oder Enthüllungen allerdings schmerzlich treffen. Und auch seine Bemühungen, den erzkonservativen Flügel der Republikaner für sich zu gewinnen, dürften durch Berichte wie diese nicht gerade vorangetrieben werden.

John McCain ist nicht der republikanische Wunschkandidat, sondern für viele nur das kleinere Übel. McCain sei ein verkappter Liberaler, so der Vorwurf. Er war für den Irakkrieg, auch die von Präsident George W. Bush angeordnete Truppenverstärkung unterstützt er gegen die öffentliche Meinung. Doch er lehnt das System Guantanamo ab: Er würde das Gefangenenlager schließen, kündigte er an. In der Debatte um die amerikanischen Verhörmethoden im Kampf gegen den Terrorismus sprach sich McCain vehement gegen jede Folter aus. Unter den republikanischen Kandidaten ist er zudem der einzige, der den Klimawandel für eine Tatsache hält und dies auch offen sagt.

Von Parteidisziplin hält McCain wenig. Er stimmte gegen Steuersenkungsprogramme von Bush und steht dessen Konjunkturprogramm skeptisch gegenüber. Doch die Republikaner schätzen Kandidaten nicht, die derart unabhängig auftreten.

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