Berichte über finanzielle Nöte zurückgewiesen
Internet laut Reisebüroverband grotesk überschätzt

"In regelmäßigen Abständen ruft bei mir die Bank an und fragt, warum es mir so schlecht geht", sagt Klaus Laepple. Der Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (drv), der selbst ein Büro unterhält, hat nach eigenen Angaben aber überhaupt keinen Grund zum Klagen.

HB DÜSSELDORF. "Der Eindruck täuscht, den Reisebüros geht es nicht so schlecht. Nur die Liquidität ist durch die zunehmende Verlagerung auf Direktinkasso gesunken." Die schiefe Wahrnehmung sei durch eine Studie der Dresdner Bank entstanden, in der das Institut, basierend auf Daten des Verbandes, zu dem Schluss gelangt sei, die geringere Liquidität werde viele Reisebüros in den Ruin stürzen. "Dabei bleiben jetzt nur die Provisionen übrig; die Abwicklung des Zahlungsverkehrs wird übernommen, und die Reisebüros können sich auf die Beratung konzentrieren." Kürzungen der Provision durch die Gesellschaften, die die Margen getroffen hätten, habe man hingegen in Form einer Beratungsgebühr an die Kunden weiter gegeben.

Anders als der Verein mittelständischer Reiseunternehmen, der von einer angespannten Finanzlage vieler Reisebüros spricht, glaubt der Verband auch nicht daran, dass die Fluggesellschaften tatsächlich Erfolg mit dem Versuch haben, den Reisebüros das Wasser abzugraben. "Ich sitze doch selbst im Lufthansa-Beirat und weiß, wie die Dinge laufen", sagte Laepple im Gespräch mit Handelsblatt.com. Vor allem im lukrativen Firmenreisegeschäft zähle nach wie vor der psychologische Faktor. "Die Sekretärin will nicht den Kopf hinhalten, wenn ein Fehler bei einer Buchung auftritt. Das haben die Fluggesellschaften beim Direktvertrieb übersehen."

Der Markt wächst weiter

Laepples Worten nach kann von Stagnation bei den Reisebüros keine Rede sein. In Deutschland komme auf 4000 Einwohner ein Reisebüro, und vor allem in der Nähe von Flughäfen gebe es noch Zuwächse. Das Internet sieht der Verbandspräsident dabei als Zusatznutzen für gut informierte Kunden, nicht aber als Bedrohung für das Stammgeschäft an. "Das Internet ist sicherlich ideal, um schnell und flexibel Flüge zu buchen. Kriegsentscheidend ist aber die Frage: Was wächst schneller, der Markt oder die Buchungen im Internet. Bislang ist es noch immer der Markt."

Geradezu grotesk überschätzt werde bislang der Vertrieb von Reisen über das Web. "Es ist lächerlich, was im Internetvertrieb abläuft,", sagte Laepple. Nach seinen Angaben liegt der Anteil inklusive Pauschalreisen in Deutschland derzeit zwischen 0,6 und 1 Prozent.

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