Berichte über Übernahmeversuch durch italienischen Nudel-Riesen zurückgewiesen
Kamps in Gesprächen mit Barilla

Europas größter Backwaren-Hersteller Kamps spricht mit dem italienischen Lebensmittelkonzern Barilla über eine Kooperation. Unklar ist, ob die Italiener über die Börse Kamps-Aktien aufkaufen.

DÜSSELDORF/MAILAND. Der Düsseldorfer Backwarenkonzern Kamps AG ist auf Partnersuche. Gesprächspartner ist nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen der italienische Pasta- und Backwarenkonzern Barilla SpA. "Es sind Gespräche im Gange, welche Teile von Kamps zu Barilla passen könnten", hieß es. Gegenstand der Diskussionen sei auch eine Zusammenarbeit im Vertrieb.

Ein Kamps-Sprecher räumte ein, dass es Kontakte zu Barilla gebe. Er wies aber den Bericht einer italienischen Zeitung zurück, wonach Barilla derzeit über die Börse Kamps-Aktien aufkaufe. Es sei zwar durchaus nachvollziehbar, dass es jetzt angesichts der strategischen Stellung von Kamps auf dem europäischen Backwarenmarkt und des Kurses der Kamps-Aktie Gerüchte über Beteiligungen von Dritten gebe. Kamps habe aber mit Barilla nicht über eine Aktienbeteiligung verhandelt. Dem Unternehmen lägen auch "derzeit keine meldepflichtigen Informationen über eine Beteiligung" vor.

Die italienische Zeitung "Milano Finanza" hatte berichtet, dass Barilla mehr als 15 % der Anteile an der Kamps AG erwerben wolle. Die Italiener wollten damit bereits einen beherrschenden Einfluss auf Kamps erreichen, denn die Aktie sei breit gestreut. Mit 8 % ist Vorstandschef und Firmengründer Heiner Kamps bisher einziger Großaktionär.

Investmenthaus dementiert Beratung

Der Konzern aus Parma, der zu 85 % im Besitz der Barilla-Familie ist, habe bereits für gut 80 Mill. Euro 12 % der Kamps-Aktien erworben, schrieb das Blatt ohne Quellenangabe. Barilla hat nach italienischem Recht sieben Tage Zeit, die Akquisition mitzuteilen. Über die Barilla-Finanztochter Cofiba mit Sitz in Luxemburg soll die Firma 5 % der Anteile gekauft haben. Weitere 7 % habe Antonio Aiello, ein Vertrauter der Familie, erworben. Das Investmenthaus Altium Capital habe Barilla bei der Übernahme beraten.

Ein Führungsmitglied von Altium Capital dementierte das jedoch auf Anfrage des Handelsblatts. Altium habe zwar in der Vergangenheit wiederholt Barilla beraten und habe auch engen Kontakt zu Kamps, doch aktuell gebe es kein Mandat. Der Zeitungsbericht enthalte zwar überraschend viele Details, sei aber in diesem Punkt falsch. Altium Capital ist die ehemalige Unternehmensfinanzierungs-Abteilung der Kapitalbeteiligungsgruppe Apax Partners und gehört heute zu dem Finanzdienstleister Gold AG. -Zack

Barilla wollte sich zu den Berichten nicht äußern. Das Familienunternehmen gilt als verschlossen.

Kamps gilt als Übernahmekandidat

Analysten betrachten Kamps als Übernahmekandidaten, nachdem die Aktie des Konzerns vor kurzem nach einer Gewinnwarnung um mehr als 40 % auf 6 Euro abgestürzt war. Damit näherte sie sich wieder dem Emissionskurs von 4,18 Euro beim Börsengang vor drei Jahren. Am Freitag gehörte die Aktie mit einem Plus von 5,5 % auf 7,15 Euro zu den Gewinnern im M-Dax.

Barilla hat in den vergangenen Jahren stark in den Backsektor investiert, unter anderem mit der Übernahme des Knäckebrot-Herstellers Wasa für 600 Mill. DM. Die Backwaren machen inzwischen rund 60 % des Geschäfts der Gruppe aus. Anfang des Jahres hat Barilla den Konzern in zwei getrennte Gesellschaften für Nudeln und Backwaren aufgeteilt. Im Jahr 2000 hat Barilla 2,3 Mrd. Euro umgesetzt, Kamps kam auf 1,5 Mrd. Euro.

Kamps dementiert Gespräche mit Barilla

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