Berichte über Waffenruhe dementiert
Israelische Soldaten töten vier Palästinenser

Ungeachtet der intensiven Bemühungen um eine Waffenruhe dauert die Gewalt in Nahost an. Israelische Soldaten töteten am Mittwoch wieder vier Palästinenser, darunter drei Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Bewegung.

HB/dpa/rtr GAZA/JERUSALEM. Bei einem neuen israelischen Hubschrauberangriff im südlichen Gazastreifen kamen zwei Menschen ums Leben, 14 weitere erlitten Verletzungen. Zuvor waren zwei Hamas-Mitglieder im Norden des Gazastreifens bei dem Versuch getötet worden, in einen Armeestützpunkt einzudringen. Die israelische Polizei vereitelte unterdessen einen neuen Bombenanschlag, als sie östlich von Tel Aviv zwei militante Palästinenser mit einem zehn Kilogramm schweren Sprengsatz festnahmen.

Repräsentanten verschiedener palästinensischer Fraktionen dementierten am Mittwochabend vehement Berichte des US-Senders CNN, denen zufolge sich die drei führenden Extremistengruppen Hamas, Islamischer Dschihad und Al-Aksa-Brigaden zu einer dreimonatigen Waffenruhe bereiterklärt haben sollen. Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi sagte dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira, dies sei falsch.

Auch Mohammed el Hindi vom Islamischen Dschihad nannte den Bericht "lügnerisch"- Es gebe noch keine Entscheidung über eine Waffenruhe. Kadura Fares von der Fatah-Bewegung des Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat, der in der syrischen Hauptstadt Damaskus Gespräche mit Vertretern beider Extremistengruppen über eine Waffenruhe geführt hatte, nannte die Berichte "verfrüht".

Israelische Hubschrauber feuerten am frühen Mittwochabend Raketen auf zwei Fahrzeuge in Chan Junis im südlichen Gazastreifen ab. Nach palästinensischen Krankenhausangaben handelte es sich bei den beiden Toten um ein Hamas-Mitglied und eine unbeteiligte Frau. Ärzte teilten mit, die Frau sei an einem Herzinfarkt gestorben. Die israelische Armee teilte mit, zwei Hubschrauber hätten Raketen auf eine Gruppe von Palästinensern abgefeuert, die zuvor Kleinraketen des Typs "Kassam" auf israelische Ziele abgeschossen hatten.

Die israelische Polizei konnte zuvor einen neuen Bombenanschlag in Israel verhindern, als sie östlich von Tel Aviv zwei Palästinenser mit einer zehn Kilogramm schweren Bombe fassten. Der gefährliche Sprengsatz wurde durch eine eine kontrollierte Explosion unschädlich gemacht. Nach einem Hinweis auf die aus dem Westjordanland stammenden Verdächtigen hatte die Polizei die Männer in der israelisch- arabischen Stadt Kfar Kassam gefasst. Die Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die beiden einen Selbstmordanschlag in der Stadt Petach Tikva verüben wollten. Den israelischen Behörden liegen derzeit Informationen über 58 geplante Anschläge vor.

Im Bemühen um eine Eindämmung der andauernden Gewalt traf der US- Nahost-Gesandte John Wolf am Mittwoch in Gaza erstmals unter vier Augen mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zusammen. Wolf hält sich in der Region auf, um die Umsetzung des internationalen Friedensplans zu überwachen. Auch der palästinensische Sicherheitschef Mohammed Dachlan und der israelische Koordinator für die Palästinensergebiete, Amos Gilad, setzten ihre Gespräche über eine Übergabe der Sicherheitskontrolle im Gazastreifen und Bethlehem fort.

Bush will Hamas isolieren

US-Präsident George W. Bush hat die Europäische Union (EU) derweil aufgefordert, jegliche Unterstützung für die palästinensische Extremistengruppe Hamas einzustellen. Bush habe diese Forderung an den Präsidenten der EU-Kommission, Romano Prodi, und den griechischen Ministerpräsidenten Kostas Simitis gerichtet, mit denen er zum Beginn des Gipfeltreffen zwischen den USA und der EU im Weißen Hauses in Washington zusammengetroffen sei, sagte Präsidialamtssprecher Ari Fleischer. Griechenland hat derzeit die Ratspräsidentschaft der EU inne.

Die USA betrachten die Hamas als Ganzes als terroristische Gruppe. Die EU unterscheidet dagegen weiter zwischen dem für zahlreiche Selbstmordanschläge verantwortlichen militärischen Teil der Hamas und ihrer politischen und sozialen Bewegung in den Palästinenser-Gebieten.

Diplomaten hatten zuvor trotz der strikten Positionen Bush in diesen Fragen betont, es gebe grundsätzlich eine neue Bereitschaft auf beiden Seiten des Atlantiks, nach Lösungen zu suchen. Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung sagte: "Die USA und Europa haben gemeinsam die Verpflichtung, über sich selbst hinaus die Welt zu sehen. Von dort kommen die Bedrohungen für die Freiheit, von dort können die Bedrohungen für die Sicherheit kommen und dort liegen die Möglichkeiten für gemeinsames Handeln".

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