Berichte über zahlreiche Opfer
US-Raketen treffen Taliban-Stützpunkt in Kabul

Die USA haben bei ihren nächtlichen Angriffen auf Afghanistan Augenzeugen zufolge am frühen Montagmorgen einen Taliban-Stützpunkt in Kabul getroffen. Dabei seien mehrere Taliban-Soldaten getötet worden, sagten Bewohner Kabuls.

Reuters KABUL. Den Triebwerksgeräuschen nach zu urteilen, hätten Kampfhubschrauber den Angriff geflogen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in Indien, die Bombardements würden dank verstärkter Bodentruppen täglich effektiver. Er gehe nicht davon aus, dass der Afghanistan-Feldzug Jahre dauern werde.

Die Raketen seien vor Morgengrauen in das Hotel "Baghi Bala" westlich des Stadtzentrums eingeschlagen, sagten die Augenzeugen. Das Hotel werde von den Taliban als Basis benutzt. Einschläge habe es auch auf der Straße zum Hotel gegeben. Leichenteile und das Wrack eines Allrad-Fahrzeuges der Taliban lägen dort, berichteten Anwohner. Nach den Triebwerksgeräuschen zu urteilen, hätten Kampfhubschrauber den Angriff geflogen. Der Sprecher des Informationsministeriums der Taliban, Abdul Hanan Himat, sagte: "Wir wissen nichts von Toten, aber einige Taliban wurden verwundet, und ein Teil des Hotels wurde zerstört."

Zuvor hatten Zeugen bereits berichtet, dass zwei Raketen in einem nordwestlichen Außenbezirk Kabuls eingeschlagen seien. Anschließend seien von Ferne Gewehrschüsse zu hören gewesen. Auch ein Reuters-Mitarbeiter hörte Fluggeräusche, die von Kampfhubschraubern stammen könnten. Wegen des bedeckten Himmels seien sie aber nicht zu sehen gewesen.

Als die Raketen einschlugen, waren viele Menschen in der Stadt beim Morgengebet oder auf dem Weg, um ihre Wasservorräte aufzufüllen. In den vergangenen Tagen hatten sich die US-Angriffe auf die Frontstellungen der Taliban mit der oppositionellen Nordallianz konzentriert. In Kabul war es ruhig geblieben.

Die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete, über Nacht habe es Luftangriffe im ganzen Land gegeben, auch die Taliban-Hochburg Kandahar im Süden sei wieder bombardiert worden. In Keschendeh, gut hundert Kilometer südlich von der im Norden gelegenen Stadt Masar-i-Scharif, seien beim Einschlag einer Bombe in ein Haus sechs Zivilisten getötet worden.

Auch die Nordallianz berichtete von heftigen Gefechten südlich der Stadt. Sie versucht zur Zeit, das strategisch wichtige Masar-i-Scharif vom Süden her zu erobern. Für Angaben aus den Kampfgebieten gibt es keine unabhängige Bestätigung.

Rumsfeld sagte, "wir haben nun einige größere Einheiten am Boden, die beim Nachschub und bei Rettungsaktionen helfen, aber auch bei der Zielerfassung. Und die Effektivität der Bombenabwürfe verbessert sich täglich." Zuvor hatte bereits US-Generalstabschef Richard Meyers den Einsatz weiterer Spezialeinheiten in Afghanistan angekündigt. "Je mehr Mannschaften wir am Boden haben, desto effektiver werden die Lufteinsätze gegen die Stellungen der Taliban sein", sagte Myers am Sonntag in den USA und ergänzte, dass sich die USA auf einen Winterkrieg einstellten.

Rumsfeld fügte in Neu-Delhi hinzu, er glaube nicht, dass die USA Jahre bräuchten, um ihre Ziele in Afghanistan zu erreichen. Zuvor hatte er bereits im pakistanischen Islamabad gesagt, die radikal-islamischen Taliban seien nicht mehr in der Lage, eine funktionsfähige Regierung zu bilden. Die USA werfen den Taliban vor, den moslemischen Extremisten Osama bin Laden und dessen Organisation El Kaida zu schützen. Sie machen Bin Laden und seine Gefolgsleute für die Anschläge am 11. September verantwortlich. Rumsfeld schloss in Indien eine mehrtägige Reise durch die Krisenregion ab.

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