Berichtigung um 900 Millionen DM
Telekom korrigiert Wert der Immobilien erneut nach unten

Die Telekom macht reinen Tisch: Das Unternehmen korrigiert den Wert seines Immobilienvermögens noch einmal nach unten und will damit die Diskussion um den Grundbesitz beenden.

cha/dri BONN. Die Deutsche Telekom AG hat den Wert ihrer Grundstücke noch einmal deutlich nach unten verändert. Der Buchwert der 11 527 Grundstücke des Konzerns müsse um 900 Mill. DM abgewertet werden, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick in Bonn. Diese Wertberichtigung kann das Jahresergebnis der Telekom nach Steuern um bis zu 500 Mill. DM nach unten drücken, heißt es in der Branche. Die Telekom, für die Analysten ohnehin für dieses Jahr einen Verlust von 2 Mrd. Euro erwarten, wollte dies nicht kommentieren.

Bereits im Februar 2001 hatte Eick den Grundstücksbesitz um 4 Mrd. DM abwerten müssen. Dadurch verringerte sich der Reingewinn des Konzerns für das Jahr 2000 um fast 3 Mrd. DM, ein Kurssturz der Telekom-Aktie und ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bonn waren die Folge. Kleinaktionäre hatten gegen Telekom-Chef Ron Sommer Anzeige wegen Bilanzfälschung erstattet. Die Ermittlungen dauern nach Aussage der Staatsanwaltschaft an.

Gestern reagierten die Börsen gelassen. Analysten hatten schon bei der ersten Wertberichtigung mit weiteren Korrekturen gerechnet. Theo Kitz von Merck Finck kritisierte allerdings, dass die 900 Mill. DM auf die Bilanz durchschlügen.

Die Neubewertung hat nach Ansicht der Telekom vor allem positive Aspekte. Nach Abschluss der Neubewertung aller Grundstücke, an der mehr als 400 externe und interne Gutachter unter Leitung des Saarbrücker Finanzwissenschaftlers Karlheinz Küting beteiligt waren, könne man die stillen Reserven der Telekom bei Immobilien auf 2,8 Mrd. DM beziffern, berichtete Eick. Hinzu kämen Reserven von etwa vier Mrd. DM, die sich aus dem Wert der "Antennengrundstücke" (Mobilfunk und Richtfunk) ergäben.

Hintergrund der abermaligen Abwertung des Grundstücksbesitzes ist die Absicht der Telekom, ihre Immobilien zu verkaufen, um die hohen Schulden abzubauen. Das zwingt das Unternehmen zu marktnahen Bewertungen. 1995, bei der Privatisierung der Telekom, war der Wert der Grundstücke nur überschlägig berechnet worden. Wegen der Besonderheiten des deutschen Handelsrechts müssen jetzt alle Grundstücke, deren Wert sich seither verschlechtert hat, in der Bilanz zum niedrigeren Wert ausgewiesen werden. Wertsteigerungen von Immobilien sind hingegen nicht bilanzwirksam. "Wir wollten reinen Tisch machen", begründete ein Telekom-Sprecher die Neubewertung. "Wir schließen damit das Buch", sagte Finanzvorstand Eick. Der Konzern beziffert sein Immobilienvermögen jetzt mit 33 Mrd. DM.

Den Vorwurf der Bilanzfälschung halten die Gutachter der Telekom für entkräftet: "Wir fühlen uns da ganz sicher", sagte Küting.

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