Berichtssaison beginnt
Experten geben verhaltenen Dax-Ausblick

In der kommenden Woche werden eine ganze Reihe von Unternehmen ihre Quartalsergebnisse präsentieren. Von diesen wird es abhängen, in welche Richtung der Dax ausschlägt. Daneben bleiben als Einflussfaktoren die Vertrauenskrise an den Aktienmärkten und die damit einher gehenden konjunkturellen Befürchtungen maßgebend. Immerhin: Mittelfristig scheint's aufwärts zu gehen.

mm DÜSSELDORF. Bilanz-Skandale, miserable Konjunktur-Zahlen, Wahlkampf-Geplänkel, Urlaubszeit - die Voraussetzungen für einen möglichen Aktienaufschwung in der kommenden Woche können eigentlich nicht mehr viel schlechter sein. Lediglich die ersten Vorboten für die beginnende Berichtssaison zeigten zuletzt einen Frühlings-Schimmer im Börsen-Winter: Die US-High-Tech-Konzerne Dell, Yahoo und Juniper legten über den Erwartungen liegende Quartals-Ergebnisse vor.

Das könnte im Sinne der Aktionäre so weiter gehen. Die Entwicklung des deutschen Aktienmarktes wird sich in den kommenden Wochen stark an den US-Vorgaben orientieren. Zum Auftakt der Berichtssaison in den USA melden die Unternehmen Apple, Citigroup und Intel Zahlen zum ersten Halbjahr. In Europa stehen die Berichte von Philips, Daimler-Chrysler, Nokia, SAP und Ericsson im Mittelpunkt des Interesses. Die Halbjahres-Berichte dürften sich dabei größtenteils im Rahmen der Analysten-Erwartungen bewegen, in den defensiveren Branchen erwartet die DZ-Bank sogar eine Verbesserung der Fundamental-Daten gegenüber dem ersten Quartal. Ein besonderes Augenmerk werden die Marktteilnehmer auf den Ausblick der Unternehmen auf das zweite Halbjahr legen. Eine Erholung des Geschäftsklimas und der Auftragseingänge ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte.

Die sich fortsetzende Stabilisierung der erwarteten Unternehmensgewinne und das unverändert niedrige Kursniveau sprechen für eine mittelfristige Kurserholung der deutschen Aktien. Dafür spricht auch die niedrige Bewertungsrelation deutscher Aktien im Vergleich zum Rentenmarkt (Risikoprämie: 2,1 %). In der Erwartung, dass sich das Anleger-Interesse mittelfristig wieder auf Fundamentaldaten richtet, möglicherweise ausgelöst durch gute Halbjahres-Berichte, hält die DZ-Bank an einem positiven Szenario für den Dax fest (Kursziel 4900 Punkte auf Sicht von sechs Monaten).

In der kommenden Woche dürfte sich der Deutsche Aktienindex Dax nach Einschätzung von einigen Börsianern stabilisieren. Es könnte aber wieder zu starken Schwankungen kommen. Bislang sei noch unklar, ob der Dax seine Tiefstände erreicht habe und eine Trendwende zu erwarten sei, teilte ewa die Deutsche Bank mit. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei, ob die langfristige Trendlinie bei 3900 Punkten halte. Einen Rückfall unter diese Marke in Richtung der Tiefstände vom September 2001 unter 3600 Zähler solle auf alle Fälle vermieden werden.

Auch das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger sieht kurzfristig noch Gefahr für den Dax. Rein technisch betrachtet befindet sich der Dax, nachdem er die Unterstützungslinie von 4200 auch nicht mehr halten konnte, wieder in Zielrichtung der 4000-Punkte-Marke, die allerdings in der Vergangenheit eine relativ gute Unterstützung bieten konnte.

Viele Analysten erwarten nach wie vor einen finalen Ausverkauf. Sollte diese Marktbereinigung in der kommenden Woche ausbleiben, prognostizieren manche auf mittlere Sicht einen Bärenmarkt. Zwar besteht weitgehend Konsens, dass die meisten Titel überverkauft sind. Aus technischer Sicht sind aber wichtige Unterstützungen durchbrochen, was einen Ausverkauf verstärken könnte. Die Chancen für neue Jahrestiefs an den europäischen Börsen stehen gut. Doch es gibt auch noch Optimisten: Die hohe Volatilität der zurückliegenden Woche sei als Zeichen für eine Bodenbildung zu werten, lautet ihr Argument.

Viel hängt von den kommenden Unternehmens-Meldungen ab. In Deutschland könnten folgende, von der Urlaubssaison ausgedünnten Termine Auswirkungen auf den deutschen Aktienmarkt haben: Am Montag hält das in angespannter Finanzsituation befindliche MDax-Unternehmen Gold-Zack eine außerordentliche Hauptversammlung ab. Am Dienstag steht die Aufsichtsrats-Sitzung der Deutschen Telekom im Blickpunkt, auf der über einen Nachfolger von Vorstands-Chef Ron Sommer entschieden werden könnte. Aus dem Ausland kommen wichtige Quartalszahlen von General Motors, Intel, Motorola, Johnson & Johnson, Apple sowie Philips. Und Alan Greenspan wird sich vor dem US-Senat zur amerikanischen Konjunktur äußern.

Am Mittwoch folgen die Hauptversammlungen der Münchener Rück, der Hannover Rück und von Rhön Klinikum. Aus den USA schallen die Zahlen von IBM, Honeywell, United Technologies und Ford über den großen Teich. Einen Tag danach wird sich SAP in New York zum Quartalsergebnis äußern. Außerdem am Donnerstag angekündigt: die Quartalszahlen von Daimler-Chrysler und die Hauptversammlung von Consors. Microsoft, Ebay und Sun Microsystems melden sich mit Quartalszahlen aus den USA. Am Freitag folgt noch Merck. Und in Berlin trifft sich die Bankgesellschaft Berlin zur HV.

Außerdem: Die wichtigsten Konjunktur-Daten werden in der kommenden Woche aus den USA kommen. Hier werden u.a. Angaben zur Industrieproduktion, zur Inflationsentwicklung im Juni und der Philadelphia Fed Index publiziert. Nachdem zuletzt die US-Einzelhandels-Umsätze (Mai) enttäuscht hatten und das Verbrauchervertrauen deutlich gefallen war, wird das Augenmerk insbesondere auf der Entwicklung der Industrieproduktion liegen.

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