Berichtssaison birgt weitere Enttäuschungen: Dax-Ausblick: Rückfall unter 4 900 Punkte droht

Berichtssaison birgt weitere Enttäuschungen
Dax-Ausblick: Rückfall unter 4 900 Punkte droht

Die deutschen Aktienwerte dürften nach überwiegender Meinung der Experten in der kommenden Woche nachgeben. Beim Deutschen Aktienindex (Dax) sei mit einem Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 5 000 Punkten und einem Test der nächsten Unterstützung bei 4 900 Zählern zu rechnen, hieß es am Freitag bei Händlern und Analysten. Nur ein Händler sagte anziehende Kurse voraus.

rtr/vwd FRANKFURT. Mit Spannung warten die Anleger auf die Bekanntgabe von Geschäftszahlen zahlreicher in- und ausländischer Konzerne. Im Blickpunkt stehen außerdem die Veröffentlichung der US-Frühindikatoren für Dezember am Dienstag und die Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan vor dem Senat am Donnerstag. Die mittelfristigen Aussichten für den Dax sehen die Experten jedoch unverändert optimistisch.

Die anlaufende Berichtssaison der Unternehmen dürfte nach Ansicht der Analysten den Dax belasten. Viele Anleger könnten vor allem von den Prognosen für die weitere Geschäftsentwicklung enttäuscht werden, da den Experten zufolge die Gewinnschätzungen für viele Unternehmen auch nach den jüngsten Reduzierungen noch zu hoch seien. Aus technischer Sicht belaste der gescheiterte Ausbruchsversuch der deutschen Aktienwerte zu Beginn des Jahres, schrieb die DZ Bank in ihrem Wochenausblick. Dadurch habe sich die Stimmung der Anleger eingetrübt.

"Der deutsche Markt wartet auf neue Konjunkturdaten, die das Szenario einer Konjunkturwende untermauern", sagte Aktienstratege Tammo Greetfeld von der Hypovereinsbank. "Solange wird sich die Seitwärtsbewegung fortsetzen." Kurzfristig werde der Dax die Marke von 4 900 testen und möglicherweise auch nach unten durchschreiten. "Wenn die Indikatoren in den kommenden Wochen bessere Werte signalisieren und die Unternehmensberichte einen Silberstreifen am Horizont aufzeigen, kann der Markt wieder nachhaltig steigen", fügte er hinzu.

"Siemens-Ergebnisse stützen Aktienmarkt"

Nur ein Händler prognostizierte für die kommende Woche sogar einen Anstieg des Dax auf bis zu 5 200 Punkte. Der Händler verwies darauf, dass sich der Dax trotz der jüngsten, meist schwachen Geschäftszahlen und Ausblicke der US-Unternehmen relativ gut gehalten habe. Unterstützung habe er dabei unter anderem von den in Aussicht gestellten guten Siemens -Ergebnissen erhalten. Die Zahlen werden am Mittwoch offiziell vorgelegt.

Den ersten Eckstein für die weitere Richtung der deutschen Aktien bildet die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal durch Infineon am Montag. Analysten zufolge hat das Unternehmen auf Grund anziehender Speicherchip-Preise seinen Verlust im Vergleich zum Vorquartal voraussichtlich deutlich reduziert. Außerdem würden durch die Fusionsgespräche zwischen Micron Technology und Hynix Hoffnungen auf eine deutliche Reduzierung von Produktionskapazitäten geschürt, hieß es. Dies dürfte zu weiter steigenden Preisen im Gesamtmarkt führen.

Von den am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden SAP -Zahlen erwarten sich die Experten der DZ Bank indes kaum Auswirkungen auf den Gesamtmarkt. Die Eckdaten seien bereits bekannt. Neben den genannten Geschäftsergebnissen werden Marktteilnehmern zufolge auch die Veröffentlichungen von Amazon, Motorola (jeweils Dienstag) sowie von Boeing, Amgen und STM (jeweils Mittwoch) für größeres Interesse sorgen. Gleiches gelte außerdem für Nokia, SBC, Sony und JDS Uniphase (jeweils Donnerstag) sowie Ericcson (Freitag).

Vertrauensverlust durch Enron-Sturz

Zum Abschluss der kommenden Woche legt auch der finanziell angeschlagene Luftschiffbauer Cargolifter Zahlen zur Geschäftsentwicklung und seiner Liquidität vor. Nachdem das Unternehmen vor Tagen bekannt gegeben hatte, bei einem Scheitern von Gesprächen über alternative Finanzierungsmöglichkeiten auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein, war die Aktie eingebrochen.

Mit Blick auf die im Jahresverlauf allgemein erwartete Konjunkturwende sagten Analysten, die dann wieder positiven Ertragsaussichten für 2003 dürften in einigen Monaten für eine verstärkte Aufwärtsbewegung sorgen. Die DZ Bank hob ihr Dax-Kursziel für die kommenden sechs Monate auf 5 500 von 5 200 Punkten an. Aktienstratege Greetfeld von der Hypovereinsbank sagte bis Jahresmitte sogar 5 600 Zähler voraus.

In der Flut der Zahlen blieb ein Unternehmen bisher im Hintergrund, dessen Schickal für den Aktienmarkt ebenso große Auswirkungen haben könnte wie alle Ausblicke des Quartals zusammen: Enron. Der Untergang des einmal siebtgrößten US-Unternehmens hat Wirkung über die Energiemärkte und auch über die politische Dimension des Falls hinaus - der Enron-Sturz hat Bedeutung für den gesamten Aktienmarkt.

Markt funktioniert nur mit Transparenz

Denn dieser Markt kann nur mit Transparenz und verlässlichen Informationen funktionieren. Grundlage dafür sind klare Bilanzregeln und kritische, unabhängige Blicke auf die Rechnungswerke. Eigentlich sind die USA in dieser Hinsicht Vorbild. Ihre Bilanzierungsregeln US-GAAP gelten als die striktesten der Welt und werden derzeit Schritt für Schritt auch in anderen Ländern übernommen.

Jetzt haben die strikten Bilanzregeln nicht verhindern können, dass ein Unternehmen mit mehr als 20 000 Mitarbeitern über Jahre systematisch die Bilanzen frisiert und Schulden von 40 Milliarden US-Dollar verschleiert hat. Und die Prüfer haben zumindest versagt und sich auch noch eine skandalöse Vertuschungsaktion geleistet. Das ist nicht das erste Mal, dass Zweifel an den Überwachern aufkommen.

Aber Vertrauen ist die Grundlage für den Aktienmarkt. Enron mag gerade noch als grotesker Einzelfall durchgehen und das Vertrauen in US-GAAP und die Prüfer daher wieder zurückkehren. Aber noch ein weiterer Fall dieser Dimension könnte das Vertrauen in den Aktienmarkt nachhaltig erschüttern.

Die folgende Tabelle enthält die Gewinneinschätzungen der DZ Bank für deutsche Standardwerte sowie einige Neuer-Markt-Titel.

Unternehmen

Gewinn 2001

Gewinn 2002

Gewinn 2003

Anlageurteil

Adidas

-Salomon
4,635,236,07Halten
Allianz7-13,516Halten

BASF

0,82,192,91Verkaufen

Bayer

0,991,042,15Verkaufen

BMW

2,422,853,05Halten

Commerzbank

0,061,422,08Halten
Daimler-Chrysler0,442,724,57Halten
Degussa1,251,371,67Halten

Deutsche Bank

5,626,468,66Kaufen
Deutsche Post1,361,31,36Kaufen
Deutsche Telekom-1,12-1,2-0,71Verkaufen

Eon

23,753,9Kaufen

Epcos

2,281,722,72Verkaufen

FMC

2,512,853,35Halten

Henkel

Vz.
2,322,183,14Halten
Hypovereinsbank1,491,842,76Halten

Infineon

Technologies
-0,92-1,10,77Verkaufen

Itelligence

-0,390,060,19Verkaufen

Linde

2,82,83,29Halten

Lufthansa

-0,350,10,4Halten

MAN

0,611,7Verkaufen

Metro

1,221,341,47Verkaufen

MLP

0,981,291,71Halten
Münchener Rück3,6612,9416,36Verkaufen
Novasoft0,260,350,39Halten
Preussag1,811,622,09Verkaufen

RWE

2,242,42,8Kaufen

SAP

1,823,233,94Halten

Schering

2,072,322,71Kaufen

Siemens

0,12,023,51Halten

Thyssen

-Krupp
1,020,541,75Kaufen

VW

5,526,056,58Halten
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