"Berichtssaison könnte enttäuschen"
Dax-Ausblick: Krieg tritt in den Hintergrund

Die Geschäftsentwicklung der deutschen Konzerne sowie weitere Hinweise auf den Verlauf der Konjunktur werden Händlern zufolge in der kommenden Börsenwoche wieder stärker das Interesse der Anleger wecken.

rtr/vwd FRANKFURT. Nachrichten aus dem Irak dürften damit immer weniger Einfluss auf das Marktgeschehen haben. Im Mittelpunkt dürfte Europas größter Softwarekonzern SAP stehen, der am kommenden Donnerstag die Berichtssaison der Dax-Unternehmen für das erste Quartal eröffnet.

Händler wiesen daraufhin, dass sich der Irak-Krieg allerdings in den Zahlen vieler Unternehmen bemerkbar machen werde. "Die Berichtssaison wird noch vom Irak-Krieg überschattet werden und wohl zu einigen Enttäuschungen führen. Außerdem werden die Ausblicke der Unternehmen weiterhin vage bleiben", erwartet der Aktienstratege Michael Kopmann von der DZ Bank.

In der nun zu Ende gehenden Woche hat der Deutsche Aktienindex (Dax) rund vier Prozent auf 2 760 Punkte zugelegt. Viele Unsicherheiten sind dabei Händlern zufolge aus dem Markt gewichen, seitdem die US-geführten Invasionstruppen Mitte der Woche bis in das Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad vorgedrungen waren und dieses seitdem kontrollieren.

Als erstes Dax-Unternehmen wird SAP Zahlen für das erste Quartal veröffentlichen. Die Walldorfer Softwareschmiede werde sich trotz mehrerer schlechter Zahlen der US-Konkurrenten Peoplesoft und Siebel Systems in der Branche behaupten können, schrieb der Analyst Knut Woller in einem Ausblick der Hypo-Vereinsbank. Nach den durchschnittlichen Schätzungen der 21 von Reuters befragten Analysten hat SAP im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr trotz weitgehend stagnierender Umsätze deutlich mehr verdient. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis stieg den Prognosen zufolge auf 262 (Vorjahresquartal: 237) Millionen Euro.

Die Technologiewerte im Dax wie Siemens und Infineon dürften zudem von Geschäftszahlen internationaler Konkurrenten beeinflusst werden. So werden unter anderem der US-Computerriese IBM , der niederländische Elektronikkonzern Philips sowie der finnische Handy-Hersteller Nokia über die jüngste Entwicklung ihrer Geschäfte berichten.

In Deutschland werden neben SAP weitere Firmen der zweiten Reihe Geschäftszahlen vorlegen, darunter IWKA, Hannover Rück, die Aareal Bank, Salzgitter, Jungheinrich und Bilfinger .

Konjunkturdaten rücken wieder in den Fokus

Im Fokus der Anleger werden in der nächsten Woche auch neue Konjunkturdaten stehen, die schon zuletzt an der Börse wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten. So dürften die Investoren unter anderem auf den Konjunkturbericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag blicken, der die Konjunkturerwartungen von Analysten widerspiegelt. "Der ZEW-Indikator wird wohl steigen, weil der letzte Wert durch den Irak-Krieg stark belastet wurde. Da rechnen wir nun mit einer Erholung", sagte Aktienstratege Kopmann. Eine Trendwende sei dies jedoch nicht.

Denn insgesamt bleiben die Aussichten für die deutsche Volkswirtschaft nach der Einschätzung der meisten Marktteilnehmer schwach. "Es ist erst April und die Wachstumsprognosen für 2003 in Deutschland haben sich schon bei nur noch 0,5 Prozent statt der ursprünglichen zwei Prozent eingependelt", sagt Karsten Rahlf, Chef-Analyst der Vereins und Westbank. - Die Wachstumsschwäche stehe einem nachhaltigen Aufschwung an der Börse weiterhin entgegen.

Quartalsberichte haben Hochsaison

Mit Blick auf die anstehende Berichtssaison sind die ersten Signale aus den USA wenig ermutigend - mit Ausnahme von Yahoo. Laut Thomson/First Call sollen die Erträge der S&P-500-Unternehmen im ersten Quartal um 8,4 Prozent und im zweiten Quartal um 6,8 Prozent steigen. Hiervon entfalle allerdings ein Großteil auf den Ölsektor, vor allem im ersten Quartal, in das der Krieg im Irak gefallen sei.

In der kommenden Woche berichten unter anderem Bank of America, IBM, General Motors, Citigroup, Microsoft, Motorola, Caterpillar Coca-Cola, Apple, Ford, Honeywell, United Technologies und .

Am deutschen Markt haben sich die Bewertungen von Aktien haben nach der jüngsten Rally zwar wieder verschlechtert. Die Analysten der Bankgesellschaft Berlin sehen gleichwohl noch Platz nach oben: "Wichtige Kennziffern wie KGV und Dividendenrenditen weisen immer noch auf Aufwärtspotenzial hin." So liege die durchschnittliche Dividendenrendite nicht nur über dem langjährigen Mittel, sondern auch über dem Niveau kürzerer bis mittlerer Rentenlaufzeiten. "Aktien sind also vergleichsweise attraktiv", so das Fazit.

Sollten sich die Investoren dieser Meinung anschließen, räumt Holger Struck von Wave Management dem Dax in den kommenden Wochen Raum bis zu 3 200 Punkten ein. "Der Trendbruch des Abwärtstrends vom Dezember darf mittlerweile als gesichert gelten", meint der technische Analyst. Nach unten sei das maximale Abwärtspotenzial bei 2 650 Punkten begrenzt. "Sollte diese Marke Gewinnmitnahmen standhalten, wäre eine Aufwärtsbewegung bis 3 200 Punkten markttechnisch der Normalfall".

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