Berlin-Besuch
„Goldelse“ offenbar Obamas neuer Favorit

Für den Auftritt des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama in Berlin kommen offenbar nur noch zwei Standorte infrage. Darunter ist auch ein Wahrzeichen der Stadt, das im Volksmund „Goldelse“ genannt wird.

HB BERLIN. Als Ort für Obamas Auftritt in Berlin sind derzeit noch der Große Stern mit der Siegessäule im Tiergarten und der Platz vor dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters, Klaus Wowereit, im Rennen. Dies geht aus Äußerungen des SPD-Bundestagsabgeordneten Gert Weisskirchen hervor. Laut Senatssprecher Richard Meng ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Erst Ende der Woche sei damit zu rechnen.

Am Mittwoch war ein Team Obamas in Berlin, um Gesprächstermine unter anderem mit Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu besprechen und einen möglichen Auftrittsort im Freien zu suchen. Ausgeschieden sind offenbar das Brandenburger Tor, der Gendarmenmarkt und der Flughafen Tempelhof.

Mehrere Tageszeitungen berichteten unter Berufung auf Weisskirchen, dass für die Rede Obamas am 24. Juli noch der Platz vor dem Roten Rathaus und der Große Stern im Rennen sind. Die „Bild“-Zeitung berichtete, die Mitarbeiter Obamas hätten sich in den Platz der Siegessäule verguckt.

Für die Polizei wird die Vorbereitungszeit offenbar allmählich knapp: Wegen der Unsicherheit des Termins habe es noch keine Gespräche über Sicherheitsfragen eines öffentlichen Auftritts gegeben, erklärte die Polizei.

Die Siegessäule in Sichtweite des Brandenburger Tors ist ein Symbol preußischer Macht- und Kriegspolitik. Sie wurde im der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Nationaldenkmal zur Erinnerung an die preußischen Siege über Dänemark, Österreich und Frankreich errichtet. Heute steht sie unter Denkmalschutz. Mit ihrer Höhe von knapp 67 Metern ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Die vergoldete Figur auf der Spitze, im Volksmund „Goldelse“ genannt, stellt die Siegesgöttin Viktoria dar.

Außenminister Steinmeier warb dafür, den Deutschlandbesuch Obamas als „Bekenntnis zu den transatlantischen Beziehungen“ zu werten. Bei einer Veranstaltung der in Ulm erscheinenden „Südwest Presse“ sagte der SPD-Politiker, 2009 werde in der Außenpolitik ein „Jahr der Möglichkeiten“ werde. Beide Kandidaten bei den US-Präsidentschaftswahlen, der Republikaner John McCain und der Demokrat Obama, stünden in unterschiedlicher Nuancierung für Veränderungen in der US-Außenpolitik. Gemeinsam mit dem neuen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, der politisch nach dem Ende der Sowjetunion groß geworden sei, sei ein anderer Umgang mit vielen internationalen Konflikten denkbar.

Klar ist laut SPD-Bundestagsabgeordneten Weisskirchen auch, das Obama nicht nach Heidelberg reisen wird. „Heidelberg wird in der Wahlkampftruppe von Obama nicht einmal Gegenstand der Diskussion sein“, sagte Weisskirchen den „Stuttgarter Nachrichten“. Weisskirchen ist Abgeordneter für den Rhein-Neckar-Kreis und hat nach eigenen Angaben gute Kontakte zu einem Berater Obamas. Dieser habe ihm gesagt: „Wir denken nicht an Heidelberg.“

Kanzlerin Merkel hatte zuvor ihr Befremden über Vorstellungen ausgedrückt, Obama könne eine Rede am Brandenburger Tor halten. Dies hatte zu einer Missstimmung mit Steinmeier geführt, der dies für einen Vertreter der Nation, die die Stadt im Kalten Krieg rettete, nicht ausgeschlossen wissen wollte.

Obama hatte erklärt, der Ort der Rede sei ihm weniger wichtig als die Botschaft, die er vermitteln wolle. Sein Wunsch sei eine Lösung, die alle Seiten mittragen könnten.

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