Berlin lehnt kategorisch ab
Finnland will UMTS-Milliarden zurück

Der finnische Kommunikationsminister Kimmo Sasi hat am Mittwoch in Helsinki die Rückzahlung aller 50,5 Mrd. ? für UMTS-Lizenzen in Deutschland verlangt. Das Bundesfinanzministerium wies die Forderung mit Nachdruck zurück. "Das ist eine vollkommen unverständliche Forderung, die von einer gewissen Unkenntnis des Auktionsverfahrens zeugt", sagte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch in Berlin.

HB HELSINKI. In einem Interview mit der Tageszeitung "Kauppalehti" hatte Sasi außerdem die Bereitstellung von Geldern aus Berlin für den angeschlagenen deutschen Telekonzern Mobilcom kritisiert. Die Bundesregierung müsse nun Ähnliches auch für alle anderen Inhaber der insgesamt sechs deutsche Lizenzen für das neue 3G-Telefunknetz leisten, meinte er.

Sasi sagte weiter: "Ich rate Deutschland, zu überdenken, ob man zum Rückkauf der Lizenzen von den Unternehmen bereit ist, die sie wieder abgeben wollen. Und man sollte sie für denselben Preis zurückkaufen, der von den Unternehmen bezahlt wurde." Der finnische Minister begründete seinen Vorschlag damit, dass "die gesamte Telekommunikationsbranche nur auf diese Weise wieder auf die Füße kommen kann".

Die UMTS-Lizenzen seien in einem geordneten Verfahren versteigert worden, das mit allen Beteiligten vorher abgesprochen gewesen sei, konterte der Berliner Regierungssprecher. Es gebe keinen Grund für ihre Rückzahlung. Der Staat habe nicht in unternehmerische Entscheidungen einzugreifen.

Den Bedingungen der deutschen UMTS-Auktion vom Sommer 2000 sehen keine Möglichkeit zur Rückzahlung der rund 8,5 Mrd. ? pro Lizenz vor. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hatte mehrfach betont, sie sehe sich nicht verantwortlich für mögliche "Fehleinschätzungen" der Bieter.

Der finnische Politiker hatte die deutsche UMTS-Auktion sowie die Versteigerung in Großbritannien als den "größten industriepolitischen Fehler seit dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet. "Deutschland und Großbritannien könnten damit die führende Position Europas gegenüber den USA in der Telebranche zerstören", sagte Sasi mit Blick auf die massiven Probleme aller Konzerne mit den bisher nicht nutzbaren Lizenzen in Deutschland.

In Finnland selbst hat das teilstaatliche Unternehmen Sonera vier Mrd. ? für eine der deutschen Lizenzen komplett als Verlust abschreiben müssen. Das Unternehmen war vor allem wegen der Kosten für die zusammen mit dem spanischen Telefonica-Konzern erworbene deutsche Lizenz in Schwierigkeiten geraten und konnte nur durch staatliches Kapital vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Derzeit untersuchen Justizbehörden, ob die Regierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Paavo Lipponen Sonera hinter den Kulissen zum Erwerb der deutschen Lizenz gedrängt oder gezwungen hat.

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