Berlin schränkt Autobahnausbau ein
Verkehrsprojekte für Fußball-WM gefährdet

Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in den zwölf deutschen Austragungsorten der Fußballweltmeisterschaft 2006 wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Wegen der Haushaltsmisere des Bundes sind beispielsweise die für die Beseitigung von Autobahn-Engpässen vorgesehenen Mittel aus dem Etat von Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) vor Ostern um fast ein Drittel gekürzt worden.

DÜSSELDORF. Insgesamt stehen für Infrastrukturvorhaben jetzt nur noch 350 statt der noch im März bestätigten 500 Mill. Euro zur Verfügung. Völlig offen ist darüber hinaus die Finanzierung von vier Bahn-Projekten, da die Deutsche Bahn sich nicht an den Investitionen beteiligen will.

"Wir sind noch auf dem Weg, doch allmählich wird die Lage zeitlich dramatisch", sagte Verkehrsexperte Karl-Geert Kuchenbecker dem Handelsblatt. Der ehemalige rheinland-pfälzische Verkehrsstaatssekretär ist Koordinator der Bundesländer für Verkehrsfragen rund um die WM und zugleich Berater des Weltfußballverbandes Fifa. Nach Kuchenbeckers Einschätzung besteht die Gefahr, dass verbleibende Projekte zu spät begonnen und nicht mehr bis zum WM-Start am 9. Juni 2006 beendet werden können.

Ein Sprecher des WM-Organisationskomitees erklärte, die Fifa blicke "mit Argusaugen" darauf, dass insbesondere die Projekte des Öffentlichen Personennahverkehrs in den Stadion-Städten rechtzeitig fertig gestellt würden. Seit Monaten beobachten auch die Länderverkehrsminister, dass vor allem die Realisierung der Schienenvorhaben hinter dem Zeitplan zurückbleibt. "Mit großer Sorge" sähen die Minister, dass die anteilige Finanzierung von Bahnhofs- und S-Bahn-Stationsausbauten durch die Bahn AG nicht gesichert sei, heißt es bereits in einem Sitzungsprotokoll vom vergangenen Herbst. Bei vier von insgesamt elf Bahnprojekten ist nach dem Handelsblatt vorliegenden Unterlagen die Finanzierung noch offen. Dabei handelt es sich um den Ausbau und die Modernisierung von S-Bahn-Stationen in Hamburg und München sowie die Modernisierung des Regio-Bahnhofs Stuttgart-Bad Cannstatt, der Zugang zum Gott- lieb-Daimler-Stadion ist.

Ein Bahnsprecher bestätigte lediglich, dass die Bahn AG für die Projekte keine eigenen Gelder zur Verfügung habe und auf Finanzierungen durch den Bund angewiesen sei. Die Fifa setzt weiterhin auf "das große Engagement der Bundesländer", die bereits bei der Finanzierung von Bahn-Projekten eingesprungen sind. "Wir haben die mehr als berechtigte Hoffnung, dass doch noch alle Vorhaben flächendeckend gesichert sind", sagte ein Sprecher des Organisationskomitees.

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