Berlin schweigt zu deutschem Einsatz
Neun US-Tote in Afghanistan

Fünf Monate nach Beginn des Anti-Terror- Krieges in Afghanistan haben die USA ihre bisher schwersten Verluste erlitten.

dpa WASHINGTON/BERLIN. Neun US-Soldaten seien bei den heftigen Kämpfen mit Taliban- und El-Kaida-Kämpfern im Osten Afghanistans getötet worden, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag in Washington. An der Offensive nehmen nach Angaben Rumsfelds auch deutsche Soldaten teil.

Die meisten US-Soldaten starben am Montag bei dem Abschuss eines amerikanischen Chinook-Hubschraubers und einem anschließenden Feuergefecht. Ein zweiter Hubschrauber wurde beschossen, konnte aber aus dem Kampfgebiet entkommen. Nach unbestätigten Berichten fiel bei dem Zwischenfall ein US-Soldat aus dem Helikopter und starb. Bereits am Samstag war ein amerikanischer Soldat im Gefecht getötet worden.

Rumsfeld bestätigte, dass die USA bei der Großoffensive von Deutschland, Dänemark, Frankreich, Norwegen, Australien und Kanada unterstützt werden. Er wollte sich jedoch nicht dazu äußern, in welcher Form diese Länder an der Operation teilnehmen. Diese Information sei Sache der betroffenen Länder, sagte Rumsfeld.

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) verweigerte am Montag unter Hinweis auf Geheimhaltungspflichten nähere Angaben zur Beteiligung deutscher Soldaten und teilte lediglich mit, sie leisteten "sanitätsdienstliche Unterstützung". Sein Sprecher Franz Borkenhagen verwies auf nötigen Schutz für Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK). Es sei "außerordentlich sinnvoll, derartige Operationen mit entsprechendem Schutzgrad zu versehen".

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Helmut Wieczorek (SPD), hatte zuvor im Deutschlandfunk den Einsatz in Ost- Afghanistan als überraschend früh bezeichnet. "Mit einem Einsatz haben wir schon gerechnet. Allerdings kam er zeitlich für uns doch auch überraschend."

Auch das dänische Verteidigungsministerium verweigerte kategorisch jede Stellungnahme. Hingegen bestätigte die norwegische Verteidigungsministerin Kristin Krohn Devold, dass eigene Elitesoldaten beteiligt sind. Sie seien besonders wegen ihrer Fähigkeit zum Kampf in Winterterrain nach Afghanistan entsandt worden.

Der norwegische Stabssprecher Dag Aamoth sagte zur Offensive: "Die norwegischen Spezialeinheiten nehmen an andauernden Kampfhandlungen teil, bei denen Einheiten der Koalition versuchen, mehrere hundert Mann der El Kaida niederzukämpfen. Es handelt sich um eine koordinierte Operation von Luft- und Bodentruppen, die zähen Widerstand zu überwinden haben."

Rumsfeld sagte, die Taliban-Kämpfer in den Bergen nahe Gardes seien gut organisiert und gut bewaffnet. Ganz offensichtlich hätten sich dort auch Taliban- oder El-Kaida-Führer verschanzt. US- Generalstabschef Richard Myers sprach von mehreren hundert Taliban- und El-Kaida-Kämpfern. Sie würden seit Freitag heftig bombardiert. Die US- Luftwaffe habe insgesamt 350 Bomben abgeworfen. Franks wies zugleich Kritik afghanischer Verbündeter zurück, dass die US-Truppen nicht genügend vorbereitet und nicht stark genug gewesen seien.

Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN wollen die USA Verstärkungen in das Kampfgebiet entsenden. Zugleich sei damit begonnen worden, die Truppen in der Region nahe der Stadt Gardes neu zu formieren, um der Luftwaffe mehr Raum zur Bombardierung feindlicher Stellungen zu geben. Währenddessen gehe aber die Bergung Verwundeter weiter.

Nach Angaben amerikanischer Medien stoßen die US-Truppen und ihre Verbündeten auf den erbittertsten Widerstand seit Beginn des Krieges im Oktober. Die Offensive richtet sich gegen Höhlenverstecke der Taliban und der Terrororganisation El Kaida von Osama bin Laden in der Provinz Paktia im Osten Afghanistans.

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