Berlin: Weiter solides Wachstum
IWF senkt Europa-Wachstumsprognose

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rät angesichts einer nachlassenden Konjunktur auch in Europa zu einer Zinssenkung. IWF-Chef Horst Köhler sagte am Montag in Berlin: "Dies wäre eindeutig hilfreich für die Konjunktur in Europa."

dpa BERLIN. Der IWF senkte die Wachstumsprognose für Europa auf 2,5 % (2000: 3,3 %). Die Bundesregierung sieht dennoch derzeit keinen Grund, ihre Erwartungen auf ein Wachstum zwischen 2,6 und 2,9 % in diesem Jahr nach unten zu korrigieren. Die Skepsis des IWF bestätigte am Montag ein schlechtes Stimmungsbild in Japans Wirtschaft.

Aus seiner Sicht bleibe der Euro schwach und müsse durch die gestärkt werden, sagte Köhler bei einer gemeinsamen Sitzung des Auswärtigen und des Finanzausschusses des Bundestages. Trotz des verlangsamten Wachstums in den USA sowie in Asien und Europa sei es aber falsch, "jetzt in dumpfe Schwarzmalerei zu verfallen".

Der IWF hatte seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum bereits von 4,8 % auf 3,4 für dieses Jahr nach unten korrigiert. In Berlin sprach Köhler von einem Wachstum von "gut 3 %".

Die japanische Zentralbank gab bekannt, dass sich die Stimmung in der heimischen Wirtschaft erstmals seit mehr als zwei Jahren unerwartet drastisch verschlechtert hat. Für das erste Quartal bewertet die Mehrzahl der großen wie kleinen Unternehmen ihre geschäftliche Lage und die kurzfristigen Aussichten pessimistisch.

Die Bundesregierung will ihre Prognose nicht korrigieren. Das Finanzministerium gehe weiterhin von einem "soliden Wachstum" aus, sagte eine Sprecherin in Berlin. Äußerungen von Finanzminister Hans Eichel (SPD) im ZDF über ein nachlassendes Wirtschaftswachstum und sinkende Steuereinnahmen hatten zu Spekulationen geführt, die Bundesregierung wolle ihre Prognose für 2001 nach unten korrigieren. Die Sprecherin des Finanzministeriums sagte dazu: "Wir haben ein stabiles Fundament."

Für weitere Prognosen müssten verlässlichere Daten abgewartet werden, sagte sie und verwies auf das Frühjahrsgutachten der Forschungsinstitute sowie auf die Steuerschätzung im kommenden Monat. Die Bundesregierung rechnet derzeit mit einem Wirtschaftswachstum für 2001 von 2,6 bis 2,9 %.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt ging in einem Gespräch mit dpa trotz des nachlassenden Schwungs im Exportgeschäft von einem Wachstum in Deutschland von bis zu 2,5 % aus. "Ich meine, dass ein Wert in dieser Größenordnung erreicht werden kann", sagte Hundt nach einem Treffen mit Bundesbauminister Kurt Bodewig (SPD) in München.

Die Union verlangte von Eichel eine sofortige Haushaltssperre. Er habe erwartet, dass der Minister "irgendwann aus der Deckung kommt", sagte CDU/CSU-Finanzexperte Hans Michelbach. Während die meisten Institute ihre Prognosen in Richtung 2 % korrigierten, gehe der Minister immer noch von 2,75 % aus. Eichel dürfe mit der Haushaltssperre nicht bis zur Steuerschätzung im Mai warten, denn dann bleibe ihm nicht mehr die nötige Zeit im Jahr für Korrekturen, sagte Michelbach.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sagte, der Finanzminister habe eine Woche nach den Landtagswahlen eingestehen müssen, dass die "positiven Wachstumszahlen der Regierung nicht mehr zu halten" seien. "Spätestens mit dem Frühjahrsgutachten der Forschungsinstitute ist eine Revision nach unten unausweichlich", prophezeite Brüderle.

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