BerlinBeta 2001 propagiert solides Wirtschaften
Verzweifelt gesucht: Neue Business-Modelle

Der Konjunkturknick geht auch an den jungen Kreativen nicht spurlos vorbei: Gesundschrumpfen war angesagt beim vierten Festival BerlinBeta, etwas eleganter formuliert im offiziellen Motto "reality shift". Heiß diskutiert wurde dort am vergangenen Wochenende über Themen wie Mobile Kommunikation, Online-Shopping, digitale Bildübertragung und vor allem über Wege, wie man noch Geld damit machen kann: Neue Business-Modelle verzweifelt gesucht.

AP BERLIN. War die "New Economy" nur ein gigantischer Trick, um Geld aus den Taschen der Investoren zu locken? Wo sind all die Milliarden geblieben, die die Anleger am Neuen Markt verloren haben? Diesen Fragen stellten sich Paulus Neef, als Gründer der heutigen Bertelsmann-Tochter Pixelpark AG einst einer der Helden des Booms, und Ex-Bahn-Chef Heinz Dürr als Vertreter der "Old Economy".

Der erfahrene Sanierer sah die «"erantwortungslosen Spinner" der "New Economy" zu Recht bestraft - schließlich hätten sie die Grundregeln der Wirtschaft ignoriert und nie auch nur die Absicht gehabt hätten, mehr Einnahmen als Ausgaben zu erzielen. Immerhin fand er für Neefs Sanierungskonzept lobende Worte. So wurde man sich am Ende einig, pries die alten Werte soliden Wirtschaftens - und schimpfte auf die Banker, die sich bei den Börsengängen eine goldene Nase verdient hätten. Nur Restrukturierung und Entschlackung könnten aus der Krise führen, damit die Bereitschaft der Investoren wieder zunehme, Medienunternehmen zu finanzieren. Denn das Geld sei nach wie vor da, es verschwinde ja nicht einfach, sagte Dürr.

Warten auf den Durchbruch der mobilen Kommunikation

Große Hoffnungen richten sich auf die Entwicklung der mobilen Kommunikation, schon allein wegen der dringend benötigten Refinanzierung der UMTS-Lizenzen mit Ausgaben von rund 100 Mrd. DM. Doch auch hier wird das Jahr 2001 nur als "Jahr der Geduld" abgehakt: Weder bei Übertragungsstandards und Endgeräten noch bei den zur Abrechnung mobiler Dienstleistungen benötigten Billing-Systemen gab es einen überzeugenden Durchbruch. Für die nahe Zukunft hoffen viele darauf, dass sich der Mega-Erfolg von des japanischen iMode-Dienstes in Europa wiederholen lässt. Nach der Diskussion zwischen Vertretern von Startups und Vertretern von Mobilfunkportalen blieb jedoch der Eindruck, dass noch einige Fragen geklärt werden müssen, bis ein Massenmarkt entsteht, in dem bewegliche Bilder auf großen Handy-Displays zu angemessenen Preisen Realität werden.

Neue Startups von "Wired"-Gründer Rosetto

Anders als bei iMode erscheinen die den Content-Lieferanten von den Mobilfunkunternehmen in Aussicht gestellten Anteile an den avisierten Einnahmen noch unbefriedigend gering. Nach dem Stürmen und Drängen auf dem BerlinBeta-Festival des vergangenen Jahres gab man sich dieses Jahr allenfalls noch berufsoptimistisch. Den meisten Medienprojekten geht es nur noch um das Überleben in einer veränderten Welt. Durch digitale Innovationen sollen Sparpotenziale eröffnet werden, damit sich die jungen Unternehmen am Markt behaupten könnenb. Die "New Economy"und ihr Berliner Festival sind in diesem Jahr erwachsen geworden. Die einst so erwartungsfroh gefeierte Internet-Philosophie kam nur noch in der Vergangenheit vor: In einem eindrucksvollen Erlebnisbericht schilderte Louis Rosetto, der Gründer des legendären Magazins "Wired", Aufstieg und Fall seines Unternehmens. Als aktuelle Startups stellte er seine beiden Kinder vor.

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