Berliner Biotechunternehmen testet erste Produkte am Menschen
Herzklappen vom Schwein transplantiert

Das Berliner Biotechunternehmen AutoTissue hat Verfahren entwickelt, mit dem Herzklappen von Schweinen so bearbeitet werden, dass sie Menschen transplantiert werden können.

clo BERLIN. Die Zellen der Herzklappen werden mit Gallensäure herausgelöst, ohne dass das Bindegewebe beschädigt wird. In einem zweiten - aus Gründen des Patentrechts noch geheimen - Schritt, wird die Klappe der menschlichen angepasst. Seit mehreren Monaten leben 30 Patienten mit diesen tierischen Ersatzteilen. "Den Patienten geht es gut. Sie vertragen die Herzklappen ohne Probleme", sagt Laborleiter Wilhelm Erdbrügger.

Die Herzklappen aus den Schweineorganen könnten künftig künstliche Klappen aus Karbon ersetzen. Deren Nachteil: Sie verkalken recht schnell. "Unser Ziel war, die Lebensdauer zu verlängern. Bei Kindern ist eine künstliche Herzklappe nach etwa drei Jahren verkalkt und muss getauscht werden. Wir hoffen, eine Haltbarkeit von 20 Jahren zu erreichen", sagt Erdbrügger.

Dabei kommen zwei Verfahren parallel zum Einsatz. Die größere Patientengruppe wurde mit Schweineherzklappen versorgt, deren Zellen mit Gallensäure herausgelöst worden sind, ohne dass das Bindegewebe beschädigt wurde. In einem zweiten, aus patentrechtlichen Gründen noch geheimen Schritt, wird die Klappe der menschlichen angepasst. Bei der zweiten Patientengruppe wurden auf der Basis von Schweineherzklappen körpereigene gezüchtet.

Auch hier werden zunächst die Zellkerne schonend herausgelöst, um das Gewebe durch ein Zellzuchtverfahren mit köpereigenen Zellkernen zu besiedeln. Diese erneuern das Bindegewebe, aus dem schließlich ein körpereigenes Organ entsteht. "Vorteil ist neben der verlängerten Lebensdauer die höhere Verträglichkeit", sagt Erdbrügger. Außerdem könne auf diese Weise bei chirurgischen Eingriffen krankhaftes Gewebe sehr spezifisch ersetzt werden.

Mit der so genannten Dezellularisierungs- und Bioreaktortechnologie ließen sich überdies Gefäßprothesen und organische Reparaturkits herstellen. So könnten künftig eine Reihe von individuellen Implantaten entwickelt werden.

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