Berliner Charité will modernes Gerät auch bei Krebsfrüherkennung einsetzen
Neuer Magnetresonanz-Tomograph liefert Bilder des gesamten Körpers

Mit einem Magnetresonanz-Tomographen (MRT) neuester Bauart können die Ärzte der Berliner Charitee künftig in ihre Patienten schauen. Das Neue an dem hochmodernen Signa 3.0 Tesla des US-Anbieters GE Medical Systems: Mit ihm können nicht nur Bilder des Kopfes, sondern aller Körperregionen aufgenommen werden, so auch von Bauch, Becken, kleinen Gelenken, der Wirbelsäule und sogar von bewegten Organen wie Herz, Nieren und Leber.

BERLIN. Die Magnetresonanz-Tomographie ist ein hochmodernes Verfahren, das Bilder aus dem Inneren des Körpers auf wesentlich schonendere Weise liefert als die inzwischen umstrittenen Röntgenstrahlen. MRT macht sich das Verhalten des Körpergewebes in einem starken Magnetfeld zunutze. Das neue Gerät an der Charitee arbeitet mit einem extrem starken Magnetfeld, das 30 000-mal intensiver ist als das der Erde, doppelt so stark wie das Signal der Vorgängermodelle. "Selbst kleinste Strukturen können wir so mit hoher Detailgenauigkeit darstellen, auch schwache Signale werden detektierbar", sagt Stephan Zenz, Arzt an der Charité.

Ein wichtiges Einsatzgebiet sei die Früherkennung von Krebserkrankungen. Tumore lassen sich auf Grund der enormen Leistungsstärke des Gerätes besser differenzieren, bösartige Veränderungen schon im Anfangsstadium diagnostizieren. "Bei der Prostata beispielsweise sind Veränderungen im Millimeterbereich erkennbar", erläutert Zenz. "Bisher war das undenkbar." Jedes Jahr werden allein in Deutschland 24 000 Prostata-Karzinome neu entdeckt, 11 000 Männer sterben daran, weil die Krankheit zu spät erkannt wird.

Bei Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems können die Ärzte das starke Signal-Rausch-Verhältnis nutzen. Bei neurologischen Erkrankungen sind neben der anatomischen Darstellung jetzt auch nervliche Zusammenhänge erkennbar. Beispiel Epilepsie: Die Krankheit ist heute operabel, der Eingriff am Gehirn aber sehr kompliziert. Mit den Bildern, die der neue Tomograph liefert, sehen die Chirurgen genau, welche Bereiche bei dem Eingriff nicht in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen. "So lassen sich motorische Störungen, etwa ein Zucken der Hände, vermeiden", sagt Zenz.

Bei der so genannten MR-Spektroskopie, die mit dem Gerät ebenfalls möglich ist, bleibt dem Patienten eine unangenehme Gewebeprobe erspart. Mit dem Tesla 3.0 lassen sich die Wasserstoffatome des Gewebewassers und Stoffwechselprodukte messen. So können die Ärzte nun erstmals erkennen, ob ein Tumor in der Hirnregion schlecht durchblutet ist - in diesem Fall ist eine Strahlentherapie nutzlos. Die Ärzte müssen zunächst für eine gute Durchblutung sorgen, bevor sie die Strahlentherapie einsetzen. "Das spart enorme Kosten", sagt der Ärztliche Direktor der Charitee, Professor Manfred Dietel. Als "one stop shop" bezeichen Experten diese effektive Form der Diagnostik und Therapie.

Finanziert wurde die zweieinhalb Millionen Euro teure, zwölf Tonnen schwere Anlage von der Deutschen Forschungsgemeinschaft - die Gelder stammen aus dem Verkauf der UMTS-Lizenzen.

Quelle: Handelsblatt

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