Berliner Effektengesellschaft forciert eigene Handelsplattform
BEG will mit niedrigen Gebühren punkten

Der Berliner Makler BEG tritt mit seiner Plattform Tradegate gegen harte Konkurrenz im Wertpapierhandel an. Die Rahmenbedingungen sind schwierig: Projekte der Wettbewerber leiden unter schwachen Umsätzen. Die BEG setzt auf den Sparzwang der Banken, denen sie günstige Konditionen bietet.

BERLIN. Trotz der Börsenflaute will die Berliner Effektengesellschaft, einer der großen deutschen Börsenmakler, über die hauseigene Plattform Tradegate in großem Stil in den außerbörslichen Wertpapierhandel einsteigen.

Damit macht die Maklerfirma nicht nur den traditionellen Börsen und der geplanten Nasdaq Deutschland, sondern auch den internen Systemen mancher Banken Konkurrenz. Im Kampf gegen die finanzkräftigen Branchenriesen will Tradegate vor allem mit niedrigen Kosten locken. Für Banken und Finanzdienstleister, die ihren Kunden den Handel auf Tradegate anbieten, sei die Teilnahme kostenlos, sagt BEG-Vorstandschef Holger Timm. Sie müssten keine Transaktionsgebühren zahlen und könnten die Abwicklungskosten durch das Saldieren von An- und Verkaufsaufträgen (Netting) massiv senken.

Bisher können nur die Kunden des Online-Brokers Consors, derzeit noch Mehrheitsaktionär der BEG, auf Tradegate handeln. Die BEG fungiert dabei als so genannter Market Maker - das heißt, sie stellt auf Anfrage verbindliche Kauf- und Verkaufskurse für derzeit 600 Aktien. An der Spanne zwischen beiden Kursen (Spread) verdient der Market Maker. Der Start verlief Timm zu Folge recht vielversprechend. Von 6 000 Transaktionen im Juni sei die Zahl im Oktober auf 45 000 gestiegen. Damit sei schon jetzt "Tradegate das erfolgreichste ECN in Europa". ECN steht für Electronic Communication Network, die englische Bezeichnung für außerbörsliche Handelssysteme. Schon im ersten Quartal 2003 sollen 100 000 Transaktionen pro Monat über Tradegate laufen - womit das System die Gewinnschwelle erreichen würde.

Allerdings hängt die Zukunft der BEG selbst und damit auch die von Tradegate in der Schwebe. Als Consors vor zwei Jahren die Mehrheit an der BEG übernahm, stand die Schaffung einer Berliner Retail-Börse im Raum. Diese Idee wurde mittlerweile allerdings ad acta gelegt. Die französische Großbank BNP Paribas, die Consors vor einigen Monaten übernommen hat, will ihren Anteil an der BEG deutlich herunter fahren oder sogar verkaufen. Konkrete Verkaufsverhandlungen gebe es derzeit nicht, sagte ein Consors-Sprecher mit Verweis auf die schwierige Marktlage. Doch sei davon auszugehen, dass Consors auch nach einem Verkauf seinen Kunden den Handel auf Tradegate anbietet.

Timm von der BEG hofft, dass im Zuge des Verkaufs weitere strategische Investoren wie Banken, Online-Broker und Finanzdienstleister einsteigen, die Tradegate nutzen. Denn wie jede Handelsplattform lebt Tradegate davon, dass sich möglichst viele Banken beteiligen und für Liquidität sorgen. Doch wegen der Ertragskrise in der Finanzindustrie scheuen viele Banken derzeit den damit verbunden Aufwand. Diese Erfahrung machte etwa die paneuropäische Retailbörse Jiway, die jetzt geschlossen wird. Auch die Nasdaq Europe leidet unter chronisch geringen Umsätzen.

Andererseits feiert trotz der Börsenflaute gerade jetzt eine Flut von neuen Marktmodellen Premiere. Dabei geht der Trend gemäß amerikanischen Vorbildern zum einen in Richtung Market Making, zum anderen in Richtung Internalisierung. Unter letzterem versteht man die Bemühungen der Großbanken, Kundenaufträge direkt auszuführen. Die Deutsche Bank will ihren Kunden die Internalisierung unter dem Namen PIP-Service anbieten. Auch die Deutsche Börse betreibt seit kurzem eine Internalisierungsplattform names Xetra Best. Ende März schließlich will die Nasdaq Deutschland mit einer Internalisierungs-Lösung starten.

Trotz dieser namhaften Konkurrenz rechnet sich Timm gute Chancen aus. Vor allem auf Grund des Netting, das bei Consors Ende des Jahres anlaufen werde, könnten die Banken Geld sparen. Derzeit müssten die Banken mit externen Kosten je Transaktion von 4 Euro im Parketthandel und mit 1,5 Euro auf Xetra rechnen. Auf Tradegate seien es dank des Netting nur 0,5 Euro, verspricht Timm. Anders als Xetra Best garantiert Tradegate nicht, dass die Anleger einen besseren Preis als auf dem Referenzmarkt Xetra bekommen. Dennoch stellt Timm gute Preise in Aussicht: "Wir müssen besser sein als der Referenzmarkt, denn nur so kriegen wir Umsatz auf die Plattform".

Ganz den Börsen den Rücken kehren will Timm aber nicht. So wird die BEG bei der Nasdaq Deutschland als Market Maker antreten. Auch eine Beteiligung an Xetra Best schließt Timm nicht aus, auch wenn das Handelsmodell derzeit nicht attraktiv sei. Auch im klassischen Maklergeschäft will die BEG, die wie die meisten Branchenkollegen derzeit rote Zahlen schreibt, weiter mitspielen - denn für wenig liquide Werte sei der Parketthandel nach wie vor die effektivste Handelsform.

Quelle: Handelsblatt

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