"Berliner Politik hat Probleme nicht ernst genommen"
Herlitz-Betriebsrat gibt Banken Hauptschuld

Der Betriebsratschef des zahlungsunfähigen Berliner Schreibwarenherstellers Herlitz , Christian Petsch, hat den Banken die maßgebliche Schuld für die Existenzkrise des Unternehmens gegeben. Nach der Ankündigung eines Insolvenzantrages durch Herlitz sagte Petsch am Mittwoch. "Was die Banken gemacht haben, ist unverantwortlich".

Reuters BERLIN. Die Bankengläubiger, die mit rund 70 Prozent auch an Herlitz beteiligt sind, hätten es an jeglichem Verantwortungsbewusstsein für das Unternehmen und seine gut 3 000 Beschäftigten fehlen lassen. Hart ging Petsch zudem mit dem Berliner Senat ins Gericht. "Ich fühle mich auch enttäuscht von der Berliner Politik", sagte Petsch. Die habe das Thema einer Bürgschaft für Herlitz, im Gegensatz zur brandenburgischen Landesregierung, "nicht ernst genug genommen".

Der Herlitz-Vorstand hatte am Vorabend angekündigt, er werde für die Herlitz AG und die Herlitz PBS AG das Insolvenzverfahren beantragen. Nötig werde das, weil sich die Landesregierungen in Brandenburg und Berlin mit dem Poolführer für die Bankenseite, der Deutschen Bank, auf keine Bürgschaftszusage an Herlitz hätten einigen können. Die Banken verlängerten daher ihre Kreditlinien nicht weiter. Die Herlitz-Aktien brachen darauf am Mittwoch zur Eröffnung des Frankfurter Parketthandels um rund 38 Prozent auf 0,90 Euro ein.

"Mit den Banken bin ich durch", klagte Petsch. Von denen erwarte er für die Zukunft nicht mehr viel. Die Stimmung in der Belegschaft bezeichnete er "als eine Mischung von Wut und Enttäuschung". Aktionen seien derzeit keine geplant - erst einmal müsse eine detaillierte Information durch die Spitze des Unternehmens abgewartet werden. Die entscheidende Frage für die Belegschaft sei: "Wie geht es weiter". Er persönlich sehe die Möglichkeit, dass sich für Herlitz "ein Interessent" finde und das Unternehmen damit weitergeführt werde. Vielleicht könnte die Entschuldung über das Insolvenzverfahren dabei helfen. Konkrete Prognose wage er aber nicht. "Alles, was ich jetzt sagen würde, wäre Spekulation", sagte Petsch.

"Das trifft Herlitz in einer Phase, in der es gerade so aussieht, als wenn die Zahlen anfangen besser zu werden", sagte der Betriebsratsvorsitzende. Das Überleben von Herlitz hänge nun vor allem von einem potenten Interessenten für das Unternehmen und den Plänen des Insolvenzverwalters ab. Vom Markt her habe Herlitz durchaus Überlebenschancen.

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