Berliner Verlag favorisiert jetzt wieder Börsenplatzierung
Ringier bricht Verhandlungen mit Springer ab

Der Schweizer Verlag Ringier will selbstständig bleiben und hat daher die Verhandlungen über eine Zusammenarbeit mit dem Axel Springer Verlag abgebrochen. Dies gaben beide Häuser am Mittwochabend bekannt. Ausschlaggebend sei der Wunsch des Verlegers Michael Ringier gewesen, die Eigenständigkeit seines Verlages sowie von dessen Zeitungen und Zeitschriften bewahren zu können.

dpa/rtr/HB BERLIN/ZÜRICH. "Michael Ringier hat heute den Axel Springer Verlag und Friede Springer persönlich in Berlin informiert, dass er die Gespräche über ein Zusammengehen der beiden Verlagshäuser nicht mehr weiterführen möchte", heißt es in der Mitteilung. Die Analyse verschiedener Szenarien habe ergeben, dass eine volle Fusion der beiden Unternehmen die einzig sinnvolle Lösung gewesen wäre. Dies hätte aber zur Aufgabe der Unabhängigkeit Ringiers geführt. "Der Wunsch nach Selbstständigkeit sei im Endeffekt stärker gewesen als die an sich faszinierende Vision einer verbundenen Verlagsgemeinschaft", ließ Ringier mitteilen.

Springer denkt nun wieder über eine Platzierung von Verlagsanteilen an der Börse nach. "Wir werden demnächst Gespräche mit der Deutschen Bank über eine Platzierung des 30-Prozent-Pakets an der Börse aufnehmen", sagte eine Sprecherin. Aus Verlagskreisen hieß es, Springer werde sich nun wieder auf eine Erhöhung seiner Anteile an der Pro Sieben Sat1 Media AG konzentrieren. Eine Beteiligung an dem Konsortium unter Führung des Bauer-Verlags, das über eine Übernahme der insolventen Kirch Media verhandelt, sei aber nicht unbedingt nötig. Springer hatte stets betont, seine Beteiligung an dem TV-Konzern von derzeit 11,5 % auf eine strategische Größe von mindestens 25 % ausbauen zu wollen oder sich ganz aus dem TV-Geschäft zu verabschieden.

Anfang Oktober hatte die Deutsche Bank nach dem Erwerb des 40- prozentigen Springer-Pakets des bankrotten Filmhändlers Leo Kirch 10,4 % der Verlagsanteile an die Verlegerwitwe Friede Springer weiterverkauft, die damit in den Besitz von 55 % der Verlagsaktien gelangte. Danach setzten Bank und Verlag die Gespräche mit dem Schweizer Medienhaus Ringier über den Kauf der restlichen 29,6 % fort. Die Deutsche Bank will diesen Anteil des einstigen Kirch-Pakets weiterverkaufen oder an der Börse platzieren. Da es sich um vinkulierte Namensaktien handelt, hat Friede Springer auch hier das letzte Wort.

Die Verlegerwitwe hatte mit dem Aktienzukauf ihre Stellung im Haus von "Bild" und "Welt" gesichert. Der Erbstreit mit den Springer-Enkeln Axel Sven und Ariane Springer dürfte damit ihre Position kaum noch gefährden. Die beiden fechten das Testament ihres Großvaters, des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer, an, um einen größeren Anteil am Verlag zu bekommen.

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