Berliner Zeitungsmarkt
Kartellamt prüft „Tagesspiegel“-Verkauf

Die Wettbewerbswächter nehmen den Verkauf der Zeitung an den ehemaligen Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens unter die Lupe. Gegen den Verkauf hat Springer erneut Protest angemeldet.

HB BERLIN. Das Bundeskartellamt will den geplanten Verkauf der Berliner Zeitung "Tagesspiegel" von der Verlagsgruppe Holtzbrinck an deren Ex-Manager Pierre Gerckens prüfen. Kartellamts-Präsident Ulf Böge sagte im RBB-Hörfunk, sein Haus werde "zu prüfen haben, ob sozusagen hier ein Strohmann-Geschäft, eine treuhändlerische Tätigkeit, vorliegt oder nicht." Der Axel Spinger-Verlag ("Berliner Morgenost", "Welt") protestierte unterdessen laut "Spiegel" gegen die Verkaufspläne.

Holtzbrinck hatte in der vergangenen Woche den Verkauf des "Tagesspiegels" an Gerckens bekannt gegeben, um die Erlaubnis zur Übernahme der Gruner + Jahr-Tochter Berliner Verlag ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier") zu bekommen. Die Kartellwächter hatten eine direkte Übernahme untersagt, da der Stuttgarter Konzern den "Tagesspiegel" herausgebe. Die "Berliner Zeitung" ist Marktführerin unter den Abo-Zeitungen in der Hauptstadt, gefolgt von "Berliner Morgenpost" und "Tagesspiegel".

Böge sagte, die Behörde wolle eine "Strohmann"-Rolle von Gerckens "weder vermuten, noch sonst etwas". Trotzdem werde man angesichts der öffentlichen Diskussion "solche Fragen klären müssen. Das ist aber normal." Holtzbrinck hat sein Engagement beim Berliner Verlag an die Zustimmung zum Verkauf des "Tagesspiegel" geknüpft. Zum Hause Holtzbrinck gehört auch das Handelsblatt.

Nach Informationen des "Spiegel" stoßen die Stuttgarter Pläne weiter auf den Widerstand der Axel Springer AG. Deren Kanzlei Hogan & Hartson Raue kritisiere, dass es Holtzbrinck überlassen bleibe, an wen der "Tagesspiegel" verkauft wird. Stattdessen solle die Kartellbehörde einen unabhängigen "Veräußerungstreuhänder" ernennen, der die Zeitung verkauft. Nur so könne der "Strohmann-Verdacht gegen Gerckens" ausgeräumt werden.

Der Geschäftsführer des WAZ-Mediengruppe, Bodo Hombach, befürchtet ein Zeitungssterben, wenn sich das Pressefusionsrecht und seine Ausgestaltung durch das Bundeskartellamt nicht ändern. Dem "Focus" sagte er, Verlage sollten das Recht auf Zusammenarbeit bei Druck, Logistik und im Anzeigenmarkt bekommen. Dann hätten journalistische Vielfalt und Unabhängigkeit Bestand. Böge sprach sich gegen eine Änderung der Kartellbestimmungen aus. "Ich kann nur feststellen, dass der Konzentrationseffekt auf jeden Fall zunehmen würde", sagte er.

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