Berliner Zeitungsmarkt
Springer wendet sich gegen „Tagesspiegel“-Verkauf

Die Axel Springer AG kritisiert, dass Holtzbrinck den Berliner "Tagesspielg an einen ehemaligen Manager verkauft. Die Kartellbehörde müsse handeln, so die Forderung.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Der Streit um den Berliner Zeitungsmarkt geht weiter: Das Vorhaben der Holtzbrinck-Verlagsgruppe, den Berliner "Tagesspiegel" an ihren ehemaligen Manager Pierre Gerckens zu verkaufen, stößt nach Informationen des "Spiegel" auf den Widerstand der Axel Springer AG. Die Springer-Kanzlei Hogan & Hartson Raue kritisiere, dass es Holtzbrinck überlassen bleibe, an wen der "Tagesspiegel" verkauft wird, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner neuesten Ausgabe. Stattdessen solle die Kartellbehörde einen unabhängigen "Veräußerungstreuhänder" ernennen, der die Zeitung verkauft. Nur so könne der "Strohmann-Verdacht gegen Herrn Gerckens" ausgeräumt werden, heiße es in einem Vermerk der Kanzlei.

Nach der "Berliner Zeitung" sind das Springer-Blatt "Berliner Morgenpost" und der "Tagesspiegel" die beiden größten Abonnementszeitungen der Hauptstadt. Nach dem geplanten Verkauf des "Tagesspiegel" will Holtzbrinck den zu Gruner + Jahr gehörenden Berliner Verlag übernehmen, in dem unter anderem die "Berliner Zeitung" erscheint.

Der Geschäftsführer des WAZ-Mediengruppe Bodo Hombach befürchtet ein Zeitungssterben, wenn sich das Pressefusionsrecht in Deutschland und seine Ausgestaltung durch das Bundeskartellamt nicht ändere. Dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte er, "vielen Verlagen steht das Wasser bis zum Hals". Das von der SPD durchgesetzte Pressesondergesetz zur Fusionskontrolle aus dem Jahr 1972 basiere auf der "Leitidee, dass der, dem die Druckmaschine gehört, die politische Richtung diktiert". Diese Denkweise sei längst überholt, sagte er. Verlage in Deutschland sollten das Recht auf Zusammenarbeit bei Druck, Technik und im Anzeigenmarkt bekommen. "Erst wenn es viel mehr Möglichkeiten zur ökonomischen Kooperation gibt, hat journalistische Vielfalt und Unabhängigkeit Bestand", sagte Hombach.

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