Berliner Zeitungsriese will Anteil an Pro Sieben Sat1 erhöhen
Springer sucht Einigung mit Kirch-Verwaltern

Der Springer Verlag lässt nicht locker: Er strebt mit den Kirch- Saniereren einen Vergleich an, um die Forderung von 767 Mill. Euro teilweise zu Geld zu machen. Damit will das Printhaus stärker bei Pro Sieben Sat1 Fuß fassen.

lip HAMBURG. Mathias Döpfner, Vorstandschef des Berliner Axel Springer Verlags, gibt nicht auf. Der Verlagsmanager führt derzeit mit den Kirch-Sanierern Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems Gespräche über einen außergerichtlichen Vergleich, um wenigstens einen Teil der noch offenen Forderung von 767 Mill. Euro gegen den insolventen Münchener Filmhändler Leo Kirch zu Geld zu machen. Dies erfuhr das Handelsblatts aus Kreisen des Springer-Konzerns (Bild, Welt, Hörzu). Sprecher der Kirch-Sanierer sowie des Springer-Verlags wollten hierzu keinen Kommentar abgeben.

Im Gespräch ist hierbei ein Betrag zwischen 35 bis 70 Mill. Euro. Diese Summe will der Springer-Chef offenbar nutzen, um seine Beteiligung an der Münchener Senderfamilie Pro Sieben Sat1 Media um 16,5 auf 28 % aufzustocken. Offen ist aber, ob sich Springer mit den Kirch-Verwaltern auf diese Entschädigungssumme einigen kann.

Die Forderung Springers stammt aus einer vertraglich vereinbarten Rückkaufsverpflichtung für ein Aktienpaket, das der Verlag an Kirchs Fernsehgesellschaft Pro Sieben Sat1 Media hält. Der Springer-Boss hatte Ende Januar von Kirch überraschend verlangt, das Pro-Sieben-Paket zurückzukaufen. Kirch fehlte damals das Geld, sein Imperium musste in die Insolvenz.

Doch Springer ließ nicht locker. Der Verlagsriese strengte einen Zivilprozess an. Gestern sollte nun das Landgericht München ein Urteil fällen. Doch in letzter Minute baten Europas größter Zeitungskonzern und die Taurus TV, eine Tochtergesellschaft der insolventen Kirch-Tochter Taurus Holding, um Aufschub. "Die Parteien haben erklärt, dass sie Vergleichsgespräche führen", sagte ein Sprecher des Gerichts. Der Springer-Verlag und die Taurus TV haben nun bis zum 17. Dezember Zeit, sich zu einigen. Sollte dies nicht erfolgen, fällt das Landgericht an diesem Tag endgültig ein Urteil.

In den Vergleichsverhandlungen fordert der Springer-Konzern nach Informationen des Handelsblatts rund 5 bis 10 % aus dem Differenzbetrag, der sich aus der Höhe der offenen Forderung aus der Put-Option und dem aktuellen Börsenwert des Springer-Anteils an Pro Sieben Sat1 Media ergibt. Die Forderung bemisst sich demnach auf eine Spanne zwischen 35 und 70 Mill. Euro.

Mit der Geldforderung verzichtet der Verlagsriese offenbar auf eine Leistungsklage gegen die Taurus TV. In diesem Fall hätte die Gesellschaft nämlich sofort die offene Put-Option über 767 Mill. Euro begleichen und Insolvenz anmelden müssen. Bisher ist Taurus TV eine der wenigen Kirch-Firmen, denen ein solches Schicksal erspart geblieben ist.

Unterdessen sucht der Schweizer Ringier-Verlag nach der gescheiterten Fusion mit dem Berliner Verlagshaus Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Medienhäusern. "Darunter könnte auch der Springer-Verlag sein", erklärte eine Sprecherin. Ob es aber konkrete Gespräche mit dem Berliner Zeitungshaus gebe, wollte sie nicht sagen. Ringier hatte erst vor kurzem Fusionsgespräche mit dem Berliner Zeitungshaus abgebrochen. Die Schweizer befürchteten, dass der Verlag durch eine Verschmelzung mit Springer seine Eigenständigkeit verliert. Verlegerwitwe Friede Springer hatte mehr als 10 % an Springer erworben, weitere rund 30 % sollen an die Börse.

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