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Berlins Kultursenator stellt Theater der Hauptstadt auf den PrüfstandDPA-Datum: 2004-07-20 11:56:40

Berlin (dpa) - Der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) erwartet von den Theatern der Hauptstadt eine überregionale Ausstrahlung. Wo dies nicht erfüllt werde, müsse er sich einen Leitungswechsel vorbehalten, machte Flierl kürzlich in einer Sondersitzung des parlamentarischen Kulturausschusses deutlich. «Theater in einer Metropole muss sich vom Stadttheater unterscheiden», betonte der kämpferisch auftretende Senator.

Berlin (dpa) - Der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) erwartet von den Theatern der Hauptstadt eine überregionale Ausstrahlung. Wo dies nicht erfüllt werde, müsse er sich einen Leitungswechsel vorbehalten, machte Flierl kürzlich in einer Sondersitzung des parlamentarischen Kulturausschusses deutlich. «Theater in einer Metropole muss sich vom Stadttheater unterscheiden», betonte der kämpferisch auftretende Senator.

Konkreter Anlass war seine Absicht, den 2006 auslaufenden Vertrag von Volker Hesse, der zuvor erfolgreich das Zürcher Theater am Neumarkt geleitet hatte, am Maxim Gorki Theater gegen dessen Willen nicht zu verlängern. Außerdem will er noch im August mit Bernd Wilms vom Deutschen Theater (DT) über dessen Zukunft reden. Auch sein Vertrag läuft 2006 aus.

Hesse bekannte öffentlich seine Fassungslosigkeit über seine Ablösung. Vom Gorki Theater erwartet der Kultursenator eine «entschiedenere Dramaturgie, die Pflege der Tradition des kritischen Realismus und plebejisch-komödiantische Weltsicht».

Besonders das DT soll nach dem Willen des PDS-Politikers den Rang eines Nationaltheaters als ein Haus der klassischen Literatur mit zeitgenössischen Interpretationen, hoher Sprachkultur, herausragenden Regisseuren und großen Schauspielern wiedergewinnen. In der überregionalen Bedeutung müsse es mindestens mit Frank Castorfs Volksbühne, Claus Peymanns Berliner Ensemble (BE) und Thomas Ostermeiers Schaubühne, die zurzeit beim Festival in Avignon den Ton angibt, konkurrieren können. Das DT soll das zentrale hauptstädtische Theater sein. «Es fehlt ein geistiges Zentrum neben Volksbühne und Schaubühne. Das BE kann diese Funktion allein nicht tragen, es parodiert sie auch mehr.»

Dabei solle sich das Deutsche Theater künftig wieder stärker vom BE abgrenzen und nicht unbedingt um dieselben Regisseure wie Peter Zadek und Robert Wilson buhlen. Die Ost-Berliner Theater hätten Teil an der Krise der Theater Mitte der 90er Jahre gehabt, was auch ein Ost-West-Problem gewesen sei. Es wäre aber falsch, die kulturpolitischen Herausforderungen darauf zu reduzieren, das zeuge noch von «Kalter-Kriegs-Mentalität». Flierl sprach in diesem Zusammenhang von «paranoiden Verschwörungstheorien» der Kulturausschussvorsitzenden, der Grünen-Politikerin Alice Ströver.

Ströver wie auch die anderen Vertreter der Oppositionsparteien CDU und FDP vermissten ein langfristiges und überzeugendes kulturpolitisches Konzept für die Berliner Theaterlandschaft. Die Ablösung Hesses ausgerechnet in einer Aufschwungphase sei nicht plausibel gemacht worden.

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