Berlusconis Kabinett
Kommentar: Für jeden Anwärter einen Posten

Silvio Belusconi - das Bild des dynamischen Machers verblasst zusehends.

HB DÜSSELDORF. Vier Wochen hat Silvio Berlusconi gebraucht, um seine Ministerliste zusammen zu stellen - eine endlos lange Zeit für den an schnelle Entscheidungen in seiner Holding gewöhnten Medienunternehmer. Im Wahlkampf hatte er noch damit geworben, dass seine Regierung bereits fest stehe. Doch das Bild des dynamischen Machers, der in den Startlöchern steht, um Italien endlich die dringend notwendigen Reformen zu verpassen, ist mit jedem Tag mehr verblasst, den die Regierungsbildung auf sich warten ließ. Wenn nicht dringende Termine wie der Nato-Gipfel und das EU-Treffen in Göteborg bevorgestanden hätten, würde vielleicht noch immer in Rom um Posten und Pöstchen gestritten.

Der von Berlusconi propagierte neue Politikstil ist noch nicht zu sehen. Vielmehr war bisher alles wie immer. Genau wie seine 58 Vorgänger musste auch der neue Ministerpräsident im endlosen Kuhhandel den Machthunger seiner Bündnispartner befriedigen. Das immerhin ist ihm geglückt, ohne dass es zu spektakulären Besetzungen gekommen ist, die dem Ansehen des Landes nach der Polemik der vergangenen Monate geschadet hätten. In den Schlüsselministerien sitzen ohnehin seine Vertrauensleute, allen voran "Superminister" Giulio Tremonti an der Spitze des neu zugeschnittenen Wirtschaftsministeriums. Die Lega Nord wurde ruhig gestellt, denn für Umberto Bossi wurde eigens ein Miniressort ohne Portefeuille eingerichtet, in dem er Reformen auf föderaler Ebene angehen soll, die natürlich letztendlich vom Ministerpräsidenten selbst entschieden werden.

Er wolle Italien auf den Weg der Modernisierung bringen, hat Berlusconi gestern erklärt. Ob das schneller als die Regierungsbildung geht und ob er nach dem lahmen Start sein Konzept tatsächlich durchsetzen kann, muss er ab heute beweisen.

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