Bernd Stange nimmt seine Arbeit im Irak wieder auf
„Die Bälle sind nur für gute Spieler“

Bernd Stange darf wieder ran im Irak. Der Fußballtrainer hat vor dem Trainingslager in Thüringen ein Problem: Es mangelt an einem bespielbaren Fußballfeld.

BAGDAD. "Soccer-God is back", freuen sich ein paar Spieler des im Bagdader Sheraton-Hotel einquartierten Police Clubs, eines irakischen Spitzen-Fußballvereins. Der Mann, den sie feiern, ist der deutsche Fußballlehrer Bernd Stange. Freundlich wird der Grauhaarige auch vom Hotelpersonal empfangen - er kennt sie nach monatelangem Wohnen in dem heruntergekommenen Hotel alle noch. Doch die Bitte des Portiers, ihm einen der 20 mitgebrachten Adidas-Bälle zu schenken, lehnt der Trainer ab: "Die sind nur für gute Spieler." Für seine irakischen Nationalspieler eben.

"Damit mal wieder gute Nachrichten aus dem Irak kommen", sagt der 55-Jährige auf die Frage, warum er in das durch tägliche Angriffe auf Besatzungssoldaten unruhige Land zurückgekehrt ist. Am 25. Juli soll seine Mannschaft den ersten Auftritt haben, ein Freundschaftsspiel in Barcelona, anschließend geht es ins Trainingslager nach Thüringen.

Bis dahin ist es noch ein holpriger Weg, denn der bisherige Trainingsplatz ist inzwischen ein von Granateinschlägen umgepflügter, unbespielbarer Acker. "Wir müssen in die Vororte gehen und uns etwas suchen. Und ich muss mal sehen, ob ich an die Amis rankomme, um eine vernünftige Anlage zu bekommen." Bei Bagdads bisherigem Sportmäzen, Saddams Sohn Udai, ist jedenfalls Hilfe für den Sport nicht mehr zu bekommen: Das Gebäude des von ihm geführten Olympischen Komitees ist bis auf die Stahlträger von rachsüchtigen Regimegegnern niedergebrannt worden.

Am Sonntagabend sah Stange seine Spieler wieder: Sie seien zwar "abgemagert und psychisch nicht gut drauf nach dem Krieg", ansonsten aber alle wohlauf. Im November vergangenen Jahres hatte der frühere Trainer der DDR-Auswahl trotz massiver Kritik einen Vierjahresvertrag als Coach der irakischen Nationalelf und Olympiaauswahl unterschrieben. Im Februar musste Stange auf Grund deutscher Sicherheitsbedenken den Irak verlassen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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