Bernhard Lüthje ist der erste Chef der Landesbank NRW
Lüthje: Tänzer auf dem Drahtseil

Auf Bernhard Lüthje, den ersten Chef der Landesbank NRW, wartet "eine Titanenaufgabe". Dies sagt kein Geringerer als der nordrhein-westfälische Finanzminister Peer Steinbrück (SPD).

DÜSSELDORF. Lüthje soll die Teilung der WestLB in eine Aktiengesellschaft und eine öffentlich-rechtliche Bank umsetzen. Dabei wird er eng mit Jürgen Sengera, dem Vorstandschef der WestLB, die bald eine AG wird, zusammenarbeiten. Bei der Tochter übernimmt Lüthje den Vorsitz im Aufsichtsrat.

Bedingungslos akzeptiert Lüthje den Aufgabenzuschnitt als öffentlich-rechtliche Bank. Hans-Peter Krämer, der Vorstandschef der Kreissparkasse Köln und ursprüngliche Wunschkandidat Steinbrücks für den Chefsessel bei der Landesbank NRW, hatte den Posten dagegen aus demselben Grund ausgeschlagen. Krämer störte, dass die Sparkassen-Zentralbankfunktion bei der künftigen Tochter WestLB AG angesiedelt wird.

Daran will Lüthje nicht rütteln. Gleichwohl gilt er als eigenständiger Kopf und als Mann mit einem feinen Gespür für politische Strömungen. In seinem bisherigen Amt als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands öffentliche Banken (VÖB) in Berlin hat er sich "als Meister des Seiltanzes" bewährt. Glänzend verstand Lüthje es, die unterschiedlichen Interessen von Politik und Banken auszutarieren.

"Primat der Politik"

Ganz Diplomat, spielt Lüthje den Ball wieder zurück, als er das Profil der neuen Förderbank umschreiben soll. "Das ist das Primat der Politik", sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er lässt Steinbrück die Vorgabe machen: bis Juli 2005 müsse die WestLB AG den dann anstehenden Wegfall der Staatsgarantien "ohne gravierende Ratingnachteile geschafft haben".

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, kommen Lüthje und Sengera nicht umhin, an einem Strang zu ziehen. Immerhin, auf dem Rasen klappt das Teamwork schon. "Wir haben zusammen Fußball in einer Hobbymannschaft gespielt", erzählt Lüthje, "dabei lernt man sich hervorragend kennen."

Der promovierte Volkswirt kennt die WestLB bestens, nicht nur, weil er von 1974 bis 1989 für die Bank arbeitete. Als Hauptgeschäftsführer des VÖB war er zudem maßgeblich in den jahrelangen Streit mit der EU-Kommission um staatliche Bankgarantien eingebunden, an dessen Ende nun die Aufspaltung der größten deutschen Landesbank steht. Bis auf einen kurzen Abstecher zur Commerzbank hat Lüthje sein ganzes Berufsleben im Lager der öffentlich-rechtlichen Banken verbracht.

Übergangskandidat

Lüthje, der kein Parteibuch hat, ist zwar kein Verlegenheits-, wohl aber ein Übergangskandidat. Wahrscheinlich wird der heute 62-Jährige bis zum Jahr 2005 im Amt bleiben. Dann wird in NRW ein neuer Landtag gewählt, und dann hoffen CDU und SPD, eigene Kandidaten an der Spitze der Bank zu platzieren, heißt es in Düsseldorf.

Auch als Aufsichtsratschef der WestLB AG muss Lüthje darauf achten, dass die Interessen des Mehrheitsaktionärs in Zukunft gewahrt bleiben. Zwar wird sich das Land Ende August aus dem Aufsichtsrat zurückziehen. Aber freie Hand hat Lüthje dann nicht. Aus dem Munde des Finanzministers klingt das freilich anders: "Wir werden keinen politischen Vertreter mehr entsenden", betont Steinbrück. Damit sei Nordrhein-Westfalen Vorreiter unter den Ländern.

Der neue Chef der Landesbank NRW brennt geradezu vor Tatendrang. "Mich reizt der Wechsel aus der Verbandstätigkeit in das operative Geschäft", sagt Lüthje, der bereits Gründungsvorsitzender der Landesbank Sachsen war. Drei Jahre gibt er sich für den Aufbau der neuen Bank Zeit. Bundesweit seien derzeit alle Landesbanken auf der Suche nach einem neuen Profil, nicht zuletzt deshalb betrachtet er seinen Job als Herausforderung.

"Beim Fördergeschäft in Nordrhein-Westfalen wollen wir dominieren", sagt Lüthje, wohl wissend, dass dies als Kampfansage an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewertet werden könnte. Die KfW hat sich gerade erst durch eine Beteiligung an der Düsseldorfer IKB gestärkt.

Mit seinem Wechsel nach Düsseldorf betreibt der verheiratete Vater dreier Kinder Familienzusammenführung. Seit Jahren pendelt Lüthje zwischen seinem Wohnort Mettmann und seinem Arbeitsplatz beim VÖB - erst Bonn, dann Berlin. Künftig muss er nur noch ab und zu nach Münster, dem zweiten Sitz der Landesbank NRW.

Vita
Bernd Lüthje wird 1939 in Hamburg geboren. Der Volkswirt promoviert und verbringt seine ersten Berufsjahre bei den privaten Banken. Später wechselt er zur öffentlich-rechtlichen Konkurrenz, erst zur WestLB, dann als Hauptgeschäftsführer zum Bundesverband Öffentlicher Banken. Zwischenzeitlich wird er Gründungschef der Sachsen-LB. Nun kehrt er als erster Chef der Landesbank NRW von Berlin an den Rhein zurück.

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