Bernhard Schreier ist Chef der Heidelberger Druckmaschinen AG
Bernhard Schreier: Der lebenslange Heidelberger

Sein Vorgänger, der heutige Bahn Mehdorn, -Chef sorgte für frohe Botschaften aus Heidelberg. Schreier muss erstmals Hiobsbotschaften verkünden.

FRANKFURT/M. Es war eine unangenehme Aufgabe für Bernhard Schreier. Vor eineinhalb Wochen musste der Vorstandschef der Heidelberger Druckmaschinen AG Investoren und Anleger informieren, dass Umsatz und Gewinn sinken. Nach den vielen frohen Botschaften der zurückliegenden Jahre jetzt also die Hiobsbotschaft aus Heidelberg.

Die schwache US-Konjunktur und die Terroranschläge haben dem Manager die Prognosen vermasselt. Am vergangenen Freitag musste Schreier vor der Presse in Heidelberg erklären, warum die Gewinnwarnung nötig war. Und er musste einräumen, dass für den größten Druckmaschinenhersteller der Welt auch das nächste Jahr schwierig wird.

Damit nicht genug: Die noch von seinem Vorgänger, dem heutigen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, forcierte Strategie, aus dem Konzern einen Komplettanbieter im Bereich der grafischen Industrie zu formen, belastet vorübergehend die Margen. Zwar sind sich Experten darin einig, dass der Weg richtig ist. Vorerst ist aber die Rendite in neuen Geschäftsfeldern wie der Druckvorstufe oder dem Bereich Rollen-Maschinen und Zeitungsdruck alles andere als gut.

Schreier, seit Oktober 1999 Konzernchef, hatte von Beginn an keinen leichten Job. Seine Hauptaufgabe war es, die unter Mehdorn zugekauften Firmen zu integrieren. "Das war der weitaus schwierigste Part bei den Akquisitionen. Aber dabei fällt man eben kaum auf", erzählt ein Insider.

So stand Schreier in den ersten Monaten seiner Amtszeit kaum in der Öffentlichkeit. Nach der Ära Mehdorn, der immer wieder die Öffentlichkeit gesucht hatte, war das für viele ein ungewohntes Bild in Heidelberg. Noch heute wird Schreier mit Mehdorn verglichen. Gerecht werden diese Vergleiche dem 47-Jährigen allerdings nicht.

Schreier setzt zwar die Strategie seines Vorgängers fort, die Nummer eins im Druckmaschinenmarkt zu einem Komplettanbieter für die grafische Industrie umzuwandeln. Immerhin trägt ja auch jeder Akquisitionsvertrag neben Mehdorns auch Schreiers Unterschrift, weil er ab 1995 im Vorstand für Produktionstechnik verantwortlich war. Und auch künftig will der Heidelberg-Chef das Wachstum des Konzerns über Zukäufe absichern.

Doch Schreier hat einen ganz anderen Führungsstil als der eher hemdsärmelige Mehdorn. Er ist ein ruhiger, fast zurückhaltender Manager. "Er ist ein guter Zuhörer mit analytischen Stärken", beschreiben viele Heidelberger ihren Chef. Der sieht sich selbst am liebsten in der Rolle des Team-Coachs. "Entscheidungen, die im Konsens getroffen wurden, mag er am liebsten", heißt es aus seinem Umfeld.

Unterschätzen sollte man den leidenschaftlichen Golfspieler deshalb aber nicht. Klappt es mit dem Teamgeist nicht, greift der Manager durch. So zum Beispiel bei der neuen Struktur, die er dem Unternehmen verpasste: Zehn Top-Manager mussten gehen. Ein seltener Vorgang in der traditionsreichen Firmengeschichte. Früher wurden solche Mitarbeiter nicht vor die Tür gesetzt, sondern im Konzern versetzt.

Der Schritt war notwendig, um die Philosophie des Komplettanbieters im Konzern zu verankern. Vorher gab es für jedes einzelne Produkt einen eigenen Vertrieb. Schreier fasste den Vertrieb für alle Produkte in den einzelnen Ländern zusammen.

Schreier ist ein echter Heidelberger im doppelten Sinn: Er ist in der Uni-Stadt geboren und lebt heute noch da. Und er hat sein gesamtes Berufsleben bei der Heidelberger Druckmaschinen AG verbracht. Nach dem Maschinenbau-Studium (Diplom-Ingenieur) beginnt er als Assistent der Montageleitung in einem Werk des Konzerns. Dann arbeitet er sich vom Abteilungsleiter bis zum Vorstandsmitglied hoch. Das verschafft ihm Anerkennung bei der Belegschaft, aber auch eine hohe Glaubwürdigkeit bei der überwiegend mittelständischen Kundschaft von Heideldruck.

Trotz seiner Bodenständigkeit verfügt Bernhard Schreier über genügend Auslandserfahrung. Für den Konzern war er schon in Frankreich und den USA tätig. Auch privat schätzt der Familienmensch die Internationalität. Seine drei Kinder besuchen internationale Schulen und Universitäten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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