Bertelsmann Arvato und Schlott-Sebaldus auf Expansionskurs: Springer sucht Partner für Tiefdruckereien

Bertelsmann Arvato und Schlott-Sebaldus auf Expansionskurs
Springer sucht Partner für Tiefdruckereien

Der Axel Springer Verlag setzt seinen Sparkurs fort. Europas größter Zeitungskonzern lotet für seine beiden Tiefdruckbetriebe in Ahrensburg und Darmstadt Kooperationen mit Wettbewerbern aus, um die Kosten zu drücken. Als mögliche Partner sind Bertelsmann Arvato und Schlott Sebaldus im Gespräch. Auch ein Verkauf liegt nahe.

lip/hps HAMBURG/DÜSSELDORF. Der Axel Springer Verlag, Berlin, drückt weiter auf die Kostenbremse. Europas führender Zeitungskonzern (Bild, Welt, Hörzu) will nach eigener Aussage bei seinen Tiefdruckereien mit Konkurrenten kooperieren und so die Kosten um etliche Millionen reduzieren. Als mögliche Partner sind die Bertelsmann Arvato, Gütersloh, und Schlott Sebaldus, Freudenstadt, im Gespräch. "Im Zuge des Konzentrationsprozesses im Tiefdruck führen wir mit Wettbewerbern Sondierungsgespräche über Kooperationen", sagte eine Sprecherin des Verlagshauses. Namen von Partnern nannte Springer nicht. Bertelsmann und Schlott Sebaldus wollen sich hierzu nicht äußern. "Zu Marktgerüchten nehmen wir nicht Stellung", sagte ein Arvato-Sprecher in Gütersloh.

Springer verfügt über zwei Betriebe in Ahrensburg und Darmstadt mit insgesamt 1 300 bis 1 400 Mitarbeitern. Sie bedrucken jährlich 275 000 Tonnen Papier. Damit steht der Konzern in Europa (bezogen auf die Kapazitäten) laut einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an sechster Stelle. Spitzenreiter ist die Bertelsmann Arvato, gefolgt von der Quebecor-Gruppe und Schlott Sebaldus.

Die Kooperationsgespräche sind möglicherweise der Beginn einer völligen Neuordnung des Tiefdruckmarktes. Denn nach Informationen aus Unternehmenskreisen erwägt der Berliner Printriese sogar einen Verkauf seiner Betriebsstätten. Offiziell weist Springer dies allerdings zurück. "Wir wollen uns von unseren Tiefdruckbetrieben nicht trennen", sagte die Sprecherin zu ies zudemInformationen aus Firmenkreisen, denen zufolge ein Verkauf bereits vom Vorstand beschlossen sei.bereits einen Vorstandsbeschluss gibt.

Sowohl aus dem Unternehmen als aus dem Konkurrenzumfeld verlautet aber, dass der Verlag bereits Gespräche über einen Verkauf mit Arvato führt. Ein Bertelsmann-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Doch der Bertelsmann - und frühere Arvato-Chef Gunter Thielen will offenbar die derzeitige konjunkturelle Delle auf dem Tiefdruckmarkt zur Expansion nutzen. "Bertelsmann hat starke Ambitionen Wettbewerber zu übernehmen", sagt dazu LBBW-Analystin Iris Schäfer. Unternehmensintern heißt es zudem, dass die Arvato-Gruppe ihren Umsatzanteil am Druck von derzeit 45 % deutlich ausweiten will. Arvato erzielte im Geschäftsjahr 2001/2002 einen Umsatz von 3,5 Mrd. Euro.

Druck erhält Bertelsmann durch die aggressive Expansionsstrategie des börsennotierten Konkurrenten Schlott Sebaldus. "Unser Ziel ist, über Akquisitionen zu wachsen. Organisches Wachstum macht keinen Sinn", sagte Schlott-Sprecher Marco Walz. Binnen fünf Jahren versiebenfachte das Unternehmen mit 4 600 Mitarbeitern seinen Umsatz auf rund 700 Mill. Euro. Der größte verlagsunabhängige Mediendienstleister steht seit Oktober 2002 der Übernahme der Hamburger Tiefdruckgruppe Broschek im Oktober 2002 in Europa auf Platz dreien dritten Platz. "Unser Ziel ist, die Kapazitäten im Tiefdruck-Markt umzuverteilen", sagte Walz.

Dass vor allem der deutsche Markt für Tiefdruckerzeugnisse kräftig in Bewegung ist, hat mehrere Ursachen. So drückt der Einbruch der Werbekonjunktur auf die Auflagen und Umfänge von Zeitschriften. Dies führt dazu, dass die Tiefdruck-Betriebe Probleme haben, ihre Kapazitäten auszulasten. Da auf dem Markt ohnehin Überkapazitäten herrschen, verstärkt sich der Konzentrationsdruck. "Die Konzentration auf dem Tiefdruckmarkt hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Viele Verlage haben sich bereits vor Jahren von ihren Druckereien getrennt", betont ein Sprecher des Bundesverbandes Druck und Medien. Dazu zählt der Hamburger Jahreszeitenverlag, einer der führenden Zeitschriftenverlage (Für Sie, Petra) in Deutschland. "Die Verlage werden sich zunehmend auf ihre Kernkompetenz Inhalte konzentrieren und Druckaktivitäten outsourcen", prognostizierte Schlott-Sebaldus-Chef Bernd Rose erst in der vergangenen Woche.

Deutschland zählt zum größten Markt für Tiefdruckerzeugnisse in Europa. Hier werden jährlich rund 2,2 Mill. Tonnen eingesetzt. Dies entspricht einem Anteil von rund 40 % des gesamten europäischen Marktes.

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