Bertelsmann-Chef hält an Umsatzprognosen fest
Musikriesen gründen Internet-Allianz

Drei große Medienunternehmen werden zusammen mit dem Technologieanbieter Real Networks Inc. ein Joint Venture gründen, um gemeinsam ihre Musikrechte im Internet zu vermarkten. Das Musicnet genannte Gemeinschaftsunternehmen wird eigenständig die Kataloge von BMG Music (Bertelsmann AG), Warner Music (AOL Time Warner) und Emi Music (Emi Group plc.) an verschiedene Onlinedienste lizensieren, die die Musik dann legal an ihre Kunden verkaufen können.

DÜSSELDORF. Damit ist der Weg frei für die Eroberung eines Markts, der alleine in den USA bis 2004 ein Volumen von 4 Mrd. Dollar Umsatz erreichen soll. Das Konsortium will auch der umstrittenen Tauschbörse Napster, an der der Medienkonzern Bertelsmann eine Mehrheitsoption hält, seine Inhalte zur Verfügung stellen, wenn sie einen urheberrechtlich unbedenklichen Datenaustausch garantieren kann. Dies sagte Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff dem Handelsblatt.

Wenn Bertelsmanns BMG wie geplant die britische Emi übernehmen sollte, werden die Anteile entsprechend neu verteilt, sagte Middelhoff dem Handelsblatt. Zugleich erklärte er, er halte trotz der Konjunkturschwäche an den Umsatzprognosen für seinen Konzern fest. "Außerdem wird die AG am Ende dieses Geschäftsjahres praktisch frei von Finanzschulden sein", so Middelhoff.

Mit der Gründung von Musicnet wird erstmals ein Internet-Vertrieb geschaffen, der rund 40% des Musikmarktes abdeckt und den Kunden eine relevante Musikauswahl aus einer Hand anbieten kann. Vertreten sind Weltstars wie Carlos Santana, Robbie Williams oder die Beatles.

Nicht mit von der Partie sind die Medienkonzerne Vivendi, Universal und Sony Music, die zusammen rund 45% des Marktes darstellen und im Sommer einen eigenen Dienst ("Duet") starten wollen. Das Joint Venture ist ein Rückschlag für den französischen Konzern Vivendi, dessen Vorstandschef Jean-Marie Messier erst vor kurzem seine Bereitschaft erklärt hatte, weitere Partner bei Duet aufzunehmen. AOL galt als potenzieller Partner.

Ein möglichst umfassendes Angebot auf einer einheitlichen technischen Basis gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen, um den Onlinemusikmarkt für den Massenkonsum zu öffnen. Hemmschwellen bei den Konsumenten müssen überwunden werden, die bislang wenig Neigung zeigen, sich mehrere Abspielprogramme für verschiedene Kopierschutz-Standards parallel auf ihren PC zu installieren. Sie bevorzugen den Weltstandard MP3, der aber derzeit keine sichere Möglichkeit für Urheberschutz bietet.

Für die umstrittene Musiktauschbörse Napster kann das Geschäft überlebenswichtig werden. Denn auch Napster, das ist in den Verträgen festgehalten, wird die Inhalte zur Verfügung gestellt bekommen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Thomas Middelhoff, dem Handelsblatt. Voraussetzung ist, dass Napster in Zukunft (geplant ist ab 1. Juli) einen sicheren, also kopiergeschützten File-Austausch anbieten kann. Zunächst werden daher nur Real Networks und AOL Time Warner - der größte Onlinedienst der Welt - ihre Download-Seiten mit Inhalten von Musicnet bestücken.

Sollte Napster Angebot von Musicnet nutzen können, wäre Bertelsmann seinem Ziel, Napster zu einem legalen Musiktauschdienst auszubauen, ein Stück näher kommen. Bertelsmann hält eine Option auf eine Mehrheit an der Tauschbörse. Bislang hatte sich außer Bertelsmann keiner der großen "Majors" bereit erklärt, mit Napster zu kooperieren. Sie haben sogar - erfolgreich - gegen Napster wegen Urheberrechtsverletzung geklagt.

Bertelsmann, AOL Time Warner und Emi werden je 20% an Musicnet halten. Real Networks erhält aus kartellrechtlichen Gründen 40% der Anteile. Klar ist, dass Musicnet keine exklusiven Vertriebsrechte erhält. Vielmehr soll das Joint-Venture die Lizenzengebühren abrechnen und die Technologie-Plattform vermarkten.

Für Real Networks ist der Deal ein Erfolg gegenüber Mitbewerbern wie Microsoft oder IBM, die eigene Standards für den Copyright-Schutz im Internet entwickelt haben. Dessen ungeachtet arbeitet die Bertelsmann-Tochter DWS zusammen mit Napster an einem eigenen Copyright- und Abrechnungssystem. Es soll die Schnittstellen zum Real-System herstellen, damit Napster-Nutzer auf die Musik zugreifen können.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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