Bertelsmann-Kommunikationschef mit großen Chancen
"Die Zwei" kandidieren für ZDF-Intendantenposten

In der beliebten Serie "Wer möchte noch ZDF-Intendant werden?" gibt es eine neue Folge. Manfred Harnischfeger, Kommunikationschef des Medienkonzerns Bertelsmann, kandidiert für den Chefposten in Mainz.

hps DÜSSELDORF. Trotz lauer Dementis aus den konservativen und rot-grünen "Freundeskreisen" gilt der frühere Sprecher des damaligen CDU-Fraktionschefs in Hessen, Alfred Dregger, als einer der Favoriten für die Nachfolge von Dieter Stolte. Heute trifft der gelernte Zeitungsredakteur Harnischfeger den CSU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber am Rande einer Bertelsmann-Tagung in Gütersloh.

Weiter im Rennen ist auch der ARD-Programmdirektor Günther Struve, der beim letzten Wahlgang Mitte Januar jedoch wegen der Ablehnung im Unionslager keine Mehrheit fand. Den 61-jährigen Politologen und früheren Redenschreiber von Willy Brandt würde die ARD aber nur ungern ziehen lassen.

Am kommenden Samstag treffen sich die 77 Fernsehratsmitglieder bereits zum dritten Mal, um für den 67-jährigen Intendanten Dieter Stolte einen Nachfolger zu finden. Das Rennen gilt als offen. Denn Harnischfeger hat auch im SPD-Lager nicht nur Freunde. Ein dem roten "Freundeskreis" nahe stehendes Mitglied des Fernsehrates kritisierte gestern: "Es ist doch befremdlich, dass mittlerweile schon ein abgehalfterter Kommunikationschef von Bertelsmann auf den Intendantensessel gesetzt werden soll."

Auch der politischen Unterstützung aus Nordrhein-Westfalen kann sich Harnischfeger offenbar nicht sicher sein. NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) favorisiert den ARD-Mann Struve. In Düsseldorf wird der externe Kandidat aus München wegen seiner herausragenden Programmerfahrung gelobt. Für einige Mitglieder wäre es auch von Vorteil, dass Struve auf Grund seines Alters nur ein Übergangskandidat ist.

Nach Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" haben sich Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und Bundeskanzler Gerhard Schröder auf den 57-jährigen Harnischfeger geeinigt. Bertelsmann wollte gestern keine Stellung zu den Spekulationen nehmen. Ursprünglich sollte Harnischfeger, seit drei Jahrzehnten in den Diensten des Medienkonzerns, seinen neuen Job als Bertelsmann-Repräsentant in Berlin mit der prestigereichen Adresse "Unter den Linden 1" antreten. Sein designierter Nachfolger Bernd Bauer arbeitet sich in Gütersloh bereits ein. Unterdessen werden dem zuletzt gehandelten Kompromisskandidaten Wolfgang Jäger, Freiburger Universitätsrektor und Politologe, in Gremienkreisen keine Chancen mehr eingeräumt.

Bisher brachten zwei Wahlgänge - im Dezember und Januar - kein Ergebnis. Weder die Hamburger NDR-Landesfunkchefin Dagmar Reim noch ZDF-interne Kandidaten wie Gottfried Langenstein, Direktor der europäischen Satellitenprogramme, und Helmut Reitze, stellvertretender ZDF-Chefredakteur, erhielten die erforderliche 3/5-Mehrheit. In der Mainzer Sendezentrale herrscht derzeit eine Stimmung zwischen Galgenhumor und Untergang. "Das ganze ist doch ein Dilettantenstadel", erklärte gestern ein Fernsehratsmitglied.

Die Zeit für eine Entscheidung drängt, denn am 14. März um 24 Uhr verlässt Stolte das Traumschiff auf dem Lerchenberg in Richtung Berlin, um Herausgeber beim Springer-Blatt "Die Welt" zu werden. Der bisherige Intendant gilt als konservativ und Freund der Kirch-Gruppe. Brancheninsider befüchten, dass sich mit einem Intendanten aus dem Hause Bertelsmann die enge Partnerschaft mit Kirch im Sportrechte- und Filmhandel zu Gunsten des Gütersloher Medienkonzerns verschieben könnte.

ZDF-Justiziar Carl-Eugen Eberle warnte für den Fall eines erneuten Scheiterns am Samstag vor Rechtsunsicherheit für das ZDF. Wenn sich das Gremium nicht auf einen neuen Intendanten einigen sollte, würde der als konservativ geltende ZDF-Programmdirektor Markus Schächter kommissarisch den Sender führen. Ein solcher Interims-Intendant ist jedoch im ZDF-Staatsvertrag gar nicht vorgesehen. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass ein Sender ohne Intendant da stünde. Als das Deutschlandradio 1994 aus der Taufe gehoben wurde, konnten sich die politischen Lager auch nicht einigen. Damals sprang Stolte als kommissarischer Intendant ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%