Bertelsmann prüft Einstieg bei Premiere
KirchPayTV-Insolvenz noch nicht vom Tisch

Die Insolvenz des verlustreichen Abo-Senders Premiere könnte durch einen Einstieg des größten deutschen Medienkonzerns Bertelsmann abgewendet werden. Bertelsmann prüft nach dpa-Informationen derzeit Möglichkeiten einer Beteiligung oder einer Kooperation mit Premiere. "Da ist vieles im Bereich des Möglichen", sagte ein Branchenexperte am Donnerstag.

dpa MÜNCHEN. Seit dem Insolvenzantrag für das Kerngeschäft KirchMedia verhandeln Banken und Gesellschafter unter Hochdruck mit dem Kirch-Management über eine Lösung für die KirchPayTV mit dem Aushängeschild Premiere. Bertelsmann und Premiere wollten die Berichte nicht kommentieren. "Das ist eine Angelegenheit der Gesellschafter", sagte ein Premiere-Sprecher in München.

Das Kerngeschäft KirchMedia soll derweil zunächst mit einem weiteren Kredit am Leben erhalten werden. Die Gläubigerbanken hätten sich auf einen so genannten Massekredit in Höhe von rund 100 Millionen Euro geeinigt, erfuhr die dpa aus Finanzkreisen. Ein Rückzug des Insolvenzantrages ist nach Angaben des neuen KirchMedia Geschäftsführers Wolfgang van Betteray nicht geplant. Dies sei überhaupt nicht vorstellbar, sagte Betteray in einem Interview mit dem Nachrichtensender "n-tv" und widersprach damit entsprechenden Spekulationen.

Auch bei KirchPayTV ist eine mögliche Insolvenz nach Einschätzung in Kirch-Kreisen trotz des Interesses von Bertelsmann längst nicht vom Tisch, da der Einstieg kurzfristig nicht zu erwarten sei. Voraussetzung dafür wäre eine Einigung mit Kirch, Minderheitsgesellschafter Rupert Murdoch und den Gläubigerbanken. Für Premiere-Chef Georg Kofler wäre Bertelsmann ein denkbarer Partner. "Wenn man mit Leuten wie Kirch und Murdoch auskommt, kann man auch mit Bertelsmann zusammenarbeiten", hieß es in Kirch-Kreisen.

Bertelsmann-Vorstand Ewald Walgenbach habe bereits in München über eine mögliche Beteiligung verhandelt, berichtete das "Handelsblatt" heute morgen. Bei einem möglichen Einstieg will Bertelsmann nach Informationen des "Handelsblatt" weniger als ein Drittel der Anteile bei Premiere. Eine reine Kooperation mit Bertelsmann bei Call Centern oder der Abo-Verwaltung wird in Kirch-Kreisen eher nicht erwartet.

Bertelsmann war bis 1999 maßgeblich an dem verlustreichen Bezahlsender beteiligt, zog sich dann aber durch den Verkauf des Pakets an Leo Kirch aus dem Geschäft zurück. Ein möglicher Wieder-Einstieg würde laut "Handelsblatt" aber wohl zu internen Querelen führen. RTL-Chef Didier Bellens schließe eine Beteiligung am Pay-TV in Deutschland strikt aus. Ein Sprecher der RTL Group wies am Donnerstag darauf hin, dass das Bezahlfernsehen nicht zur Strategie des Unternehmens passe. "Unser strategisches Ziel ist es, unsere Nummer 1 im Free TV weiter auszubauen", sagte er. Der Ausstieg aus dem Bezahlfernsehen sei sinnvoll gewesen. "Wir sehen uns mehr als bestätigt, dass diese Entscheidung richtig war."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%