Bertelsmann-Springer protestiert bei der Bundesregierung: Urheberrecht setzt Verlage unter Druck

Bertelsmann-Springer protestiert bei der Bundesregierung
Urheberrecht setzt Verlage unter Druck

Änderungen im Urheberrecht machen Verlagen schwer zu schaffen. Die Branche wehrt sich gegen höhere Autorenhonorare und den Abbau von Verlagsrechten im Internet. Der Verlust von Arbeitsplätzen droht.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Das neue Urhebervertragsrecht macht den Buchverlagen große Sorgen. Die Branche befürchtet demnächst höhere Zahlungen an die Autoren. "Die Margen sind schon jetzt sehr eng geworden", sagt Jürgen A. Bach, Mitglied der Geschäftsführung vom Herder-Verlag.

Nach den neuen Regelungen sind die Verlage künftig zu einer "angemessenen Vergütung" verpflichtet. Die Autorenhonorierungen müssen zwischen den Verlegern und Autorenverbänden ausgehandelt werden. Die Positionen von Autoren und Verlagen sind allerdings sehr unterschiedlich. Während der Verband deutscher Schriftsteller (VS) und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ein Autorenhonorar von mindestens 10 % vom Nettoladenpreis fordern, beharren die Verlage auf der bisherigen Praxis - einem Mix aus Zuschuss und Beteiligung ohne einen festen Prozentsatz für alle Autoren.

Auch die Forderung des VS, ab 10 000 verkauften Büchern das Honorar zusätzlich um einige Prozentpunkte zu steigern, lehnen die Verlage ab. "Es ist eine Irrglaube zu glauben, über Gesetze den Markt zu regeln", sagt Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins.

Der Streit um die Autorenrechte kommt den Publikumsverlagen höchst ungelegen. "Der Markt ist sehr sensibel. Wir stehen mit dem Rücken an der Wand", sagte Bach, der als Vorsitzender des Verleger-Ausschusses im Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Verhandlungstisch sitzt. "Die Buchverlage sind eine Branche, die vergleichsweise wenig Gewinn macht", fügt Peter Molden, Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Lübbe, hinzu.

Zu höheren Autorenhonoraren sieht sich die Branche angesichts rückläufiger Umsätze im deutschen Markt nicht in der Lage. "Die Grenze der Belastbarkeit ist für die Verlage erreicht", sagt Thomas Carl Schwoerer, Chef des Frankfurter Campus-Verlages und Sprecher der Verlegervereinigung Sachbuch.

Der Verband deutscher Schriftsteller sieht sich dagegen durch das neue Urheberrecht, das seit Juli letzten Jahres rechtsgültig ist, in einer starken Position. "Wir suchen eine gemeinsame Regelung, um damit eine Rechts- und Planungssicherheit zu gewährleisten", sagt Fred Breinersdorfer, Vorsitzender des mit 4 000 Mitgliedern größten Autorenverbandes in Europa. "Aber die Verhandlungen werden sich schwierig gestalten. Im Zweifelsfall entscheidet der Richter über eine angemessene Vergütung." Ein Treffen zwischen Verleger- und Autorenverbänden ist für März geplant. Wann eine Einigung gelingt, sei offen, sagte der Drehbuchautor und Jurist gestern.

Insbesondere die geplanten höheren Vergütungen für Übersetzer ist den Verlegern ein Dorn im Auge. Nach den Vorstellungen des VS sollen die Verlage künftig 22 bis 34 Euro pro Seite zahlen. Derzeit liegt das Übersetzerhonorar zwischen 12 und 25 Euro pro Seite. Außerdem fordern die Übersetzer statt der bisherigen maximal 1 % mindestens 3 % vom Nettoladenpreis.

Neben den Änderungen bei der Autorenvergütung bereitet den Verlagen insbesondere aus dem Wissenschaftsbereich der Entwurf des "Umsetzungsgesetzes für die EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft" Sorgen. In der Branche wird scharf kritisiert, dass durch die neue Regelung Bibliotheken erlaubt wird, Inhalte aus Zeitschriften und Büchern ohne Erlaubnis der Rechteinhaber zu scannen und über das Internet frei verfügbar zu machen.

Der Branchenriese Bertelsmann-Springer (Umsatz: 749 Mill. Euro) warnt bereits vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Sollte das neue Urheberrecht wie geplant in Kraft treten, seien viele Verlagsarbeitsplätze gefährdet, schrieb Verlagschef Arnold Bahlmann an Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD). Die Bertelsmann-Tochter beschäftigt in 70 Verlagen rund 3 000 Mitarbeiter. "Die möglichen Auswirkungen sind unübersehbar", schrieb Bahlmann an die Bundesregierung. Die Branche fürchtet, dass keine Bibliothek es mehr für nötig hält, Zeitschriften in ausreichender Zahl zu abonnieren oder für die elektronische Fassung Lizenzen zu zahlen. "In der Fachverlagsbranche geht die nackte Angst um", sagt Börsenvereins-Jurist Sprang.

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