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Bertelsmann stellt sich der Geschichte

Der Ort ist gut gewählt: Im Senatssaal der Münchener Universität am Geschwister-Scholl-Platz - benannt nach den Hitler-Gegnern Sophie und Hans Scholl - wird Saul Friedländer demnächst die Bilanz zur Geschichte des Medienkonzerns Bertelsmann in den Jahren der Nazi-Diktatur vorlegen.

Vier Jahre lang untersuchte eine unabhängige Kommission von Fachleuten die Historie des damaligen Verlags Carl Bertelsmann. Am Montag - einen Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse - lüftet Friedländer das Geheimnis. Dann wird die Frage geklärt werden, in welchem Umfang der C. Bertelsmann Verlag kriegsverherrlichende NS-Propagandaliteratur veröffentlicht hat. Im Mittelpunkt der Forschungen steht unter anderem auch die fördernde Mitgliedschaft Heinrich Mohns in der SS, Vater des heutigen Firmenpatriarchen Reinhard Mohn.

Seit Bertelsmann in den Neunziger Jahren in den USA expandierte und mit der Übernahme des ehemals jüdischen Verlags Random House zum größten Verlagshaus der Welt aufstieg, gab es immer wieder Verdächtigungen. Mit der Vorlage der beiden Bände zu Bertelsmann im Dritten Reich und einem Gesamtverzeichnis der zwischen 1921 und 1951 erschienen Bücher des damals überschaubaren Verlags aus Ostwestfalen soll ein Schlusspunkt unter die jahrelangen Spekulationen gesetzt werden. Ob das gelingt? Mit dem Bekenntnis zur wahren Geschichte wird zumindest die Grundlage dafür geschaffen, die Unternehmensgeschichte in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit zu verstehen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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